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Ein Altartuch von der Königin

Der EKD Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Königin Margrethe II. von Dänemark, Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kommen nach dem Gottesdienst aus der Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg (v.l.).
Der EKD Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Königin Margrethe II. von Dänemark, Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kommen nach dem Gottesdienst aus der Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg (v.l.). FOTO: dpa
Wittenberg. Vor der Wittenberger Schlosskirche warteten schon die Schaulustigen. Mit den rot-weißen dänischen Flaggen in der Hand erlebten sie, wie Dänemarks Königin Margrethe II. einer schweren Limousine entstieg. Sie zählte zu den Ehrengästen bei der Wiedereröffnung des Gotteshauses. Benjamin Lassiwe / iwe1

Mit einem Festgottesdienst in Anwesenheit der dänischen Königin Margrethe II. und von Bundespräsident Joachim Gauck ist die Wittenberger Schlosskirche am Erntedanksonntag pünktlich zum Beginn des Reformationsjubiläums feierlich wiedereröffnet worden.

Weil an der Tür des Gotteshauses der Reformator Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll, gilt die Schlosskirche als wichtigstes Gotteshaus des Protestantismus überhaupt. Als Geschenk zur Wiedereröffnung übergab die Königin einen selbst gestickten Altarbehang: Die kirschrote, etwa 1,20 Meter lange Textilie ist als Altarschmuck für hohe Feiertage, etwa das Pfingstfest, gedacht. In ihrer Mitte trägt sie die Lutherrose, das Wappen Martin Luthers.

An den Rändern hat die Monarchin Feuerflammen aufgestickt. Sie stünden nicht nur für den Heiligen Geist, sondern auch für Martin Luther, sagte Margrethe in einer Ansprache nach dem Gottesdienst. "Den temperamentvollen Feuergeist, der in vielen Seelen ein Feuer entfachte." Dass sich ein Staatsoberhaupt für mehrere Monate hinsetzt und eine Kirchentextilie gestaltet, mag dabei für deutsche Ohren ungewöhnlich klingen. Doch in ihrer Heimat ist die Regentin als Künstlerin bekannt. Gemälde von ihr finden sich mittlerweile in einer Reihe von Museen und Galerien, Kostüme und Bühnenbilder schmückten Ballettaufführungen etwa im Kopenhagener Tivoli. Und als Oberhaupt der Lutherischen Volkskirche Dänemarks hat die Monarchin auch schon zahlreiche Messgewänder und Kirchentextilien gestaltet.

Die Anfrage aus Wittenberg sei trotzdem eine "große und überaus freudige" Überraschung gewesen, erklärte die Monarchin. Denn zwischen dem dänischen Königshaus und der Lutherstadt gibt es enge Beziehungen.

1523, als die Dänen den damaligen König Christian II. aus dem Land jagten, fand er Zuflucht in Wittenberg, hörte die Predigten Martin Luthers und konvertierte zum evangelischen Glauben. Christian III. führte dann 1536 den lutherischen Glauben ein. "Dänemark und die dänische Kirche haben allen Grund, dankbar zu sein für die engen Beziehungen zwischen Wittenberg und Dänemark", sagte Margrethe.

Fast zu Statisten wurden da am Sonntag die offiziellen Vertreter der EKD. "Wir freuen uns, dass die Schlosskirche wieder in neuem Glanz erstrahlt", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zu Beginn des Gottesdienstes am Erntedanktag. "Wenn in wenigen Tagen das Reformationsjubiläum in Lund, Berlin, Genf oder Rom eingeläutet wird, liegt die Lutherstadt Wittenberg im Herzen Europas", sagte Bedford-Strohm.

Die Kirche solle nicht wie ein Museum erlebt werden. Vielmehr sei das Weltkulturerbe der Reformation eine lebendige Tradition. "Wir wollen 2017 ein großes Christusfest feiern und von dem erzählen, den die Reformatoren für die Frömmigkeit ihrer Zeit neu entdeckt haben."