Gesundheit dahin. Seither heißt es immer öfter, der inzwischen 77 Jahre alte Berufsrevolutionär sei gebrechlich. Vor allem Oppositionelle in Kuba oder Vertreter der ultra-rechten Kubanisch-
Amerikanischen Nationalstiftung FNCA mit Sitz in Miami reden Castro krank oder erklären ihn schon mal für tot. Auch der Lateinamerika-Beauftragte im US-Außenamt, Roger Noriega, heizte die Debatte jüngst an. "Castro wird nicht ewig leben", sagte er. Ist bei diesen Äußerungen zumeist der Wunsch Vater des Gedankens, ließen die Worte von Luis Eduardo Garzón, Bürgermeister der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, vor kurzem aufhorchen. Garzón, ein Freund Castros, äußerte nach einem Besuch in Havanna besorgt, der Revolutionsführer scheine "sehr krank".
Mit einem zornigen öffentlichen Auftritt hatte Castro Ende Januar versucht, seinen Ruf als ewig Gesunder wieder herzustellen. "Dieser Tote kann noch sprechen. Dieser Tote kann noch Pläne machen und ist nicht tot", donnerte Castro zum Abschluss einer internationalen Tagung gegen die gesamtamerikanische Freihandelszone. Gut fünf Stunden lang, um einiges kürzer als früher, wetterte er im ungewohnten dunklen Anzug gegen den Erzfeind. Doch das Alter zeigt seine Spuren. Seine rhetorischen Attacken auf die USA prasseln nicht mehr so stakkatohaft nieder wie früher.
Castro regiert die Geschicke der Karibikinsel inzwischen seit 45 Jahren. Er hatte zur Jahreswende 1958/59 Diktator Fulgencio Batista vertrieben, der Kuba gemeinsam mit der US-Mafia zum größten Bordell und Spielcasino der Welt verwandelt hatte. Jahrzehntelang galt Castro als unverletzlich. Zu der Legende trugen vor allem die Dutzenden Attentate und Mordversuche bei, die US-Regierungen und US-Geheimdienst CIA ausüben ließen oder planten. Dabei verdankt Castro sein Leben vor allem dem Dilettantismus der Attentäter und geistigen Urheber. Zur Legendenbildung tragen aber auch Geschichten aus Castros Jugend bei: Um sich bei den großbürgerlichen Mitschülern auf dem Jesuitenkolleg in Havanna, die den Bauernsohn aus dem Osten Kubas abschätzig betrachteten, Respekt zu verschaffen, zeigt schon der 15-jährige Fidel Hartnäckigkeit und Dickköpfigkeit. Er wettet, dass er auf einem Fahrrad Kopf voraus mit voller Kra ft gegen eine Steinmauer fahren kann. Kurzfristige Bewusstlosigkeit und eine Gehirnerschütterung sind das Ergebnis, aber auch die gesuchte Anerkennung.
In seiner Rede Ende Januar verdächtigte Castro US-Präsident George W. Bush, gemeinsam mit der FNCA seine Ermordung zu planen. "Wir wissen, dass Bush sich mit der exil-kubanischen Mafia verschworen hat, mich zu töten", wetterte der Staatschef.
Seit der US-Invasion im Irak behauptet Castro regelmäßig, Washington plane auch auf seine Insel einen Angriff. Tatsächlich rasseln die Rechtsaußen in den USA zunehmend mit den verbalen Säbeln gegen den kommunistischen Staatschef vor ihrer Tür. Im April forderte Jeb Bush, Gouverneur von Florida und Bruder des US-Präsidenten, die USA sollten sich jetzt der "Nachbarschaft" zuwenden und Castro am besten auch gleich aus dem Amt vertreiben. Unterstaatssekretär Noriega warf der Regierung in Havanna jetzt nebulös vor, durch die Unterstützung von Untergrundgruppen an der Destabilisierung demokratischer Regierungen in Lateinamerika zu arbeiten. Beweise blieb er schuldig.