SPD, Grüne und Linke wollen wissen, ob eine politische Vorauswahl für den Salzstock in Niedersachsen auf Druck der damaligen Bundesregierung von Helmut Kohl (CDU) erfolgte. Die Debatte um Gorleben wurde zuletzt wieder angeheizt durch Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung, den vor zehn Jahren von Rot-Grün verhängten Erkundungsstopp für den Salzstock aufzuheben. Während die Union rein fachliche Gründe für eine mögliche Eignung des Standortes als Endlager anführt, spricht die Opposition von manipulierten Gutachten. Zahlreiche Fachleute hätten sich schon in den 80er-Jahren gegen Gorleben ausgesprochen. Die Bundesregierung solle bis zum Abschluss der Untersuchungen auf eine weitere Erkundung des Salzstockes verzichten, verlangt die SPD-Fraktion. Für die Opposition stelle sich die Frage, weshalb sich die Bundesregierung mit Kabinettsbeschluss vom Juli 1983 bei der Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ausschließlich auf den Standort Gorleben beschränkte. Auf heftige Kritik sind indes Pläne der Bundesregierung gestoßen, eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke auf insgesamt bis zu 60 Jahre zu prüfen. Die Grünen warfen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine Rückkehr zur Atompolitik der 80er-Jahre vor. Die Bundesregierung will vier Szenarien für eine mögliche Verlängerung der Akw-Laufzeiten um vier, zwölf, 20 oder 28 Jahre im Vergleich zum geltenden Recht durchrechnen, wie Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans am Freitag bestätigte. Darauf habe sich Röttgen mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) verständigt. Bislang geht das Atomgesetz von rechnerischen Akw-Laufzeiten von 32 Jahren aus. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sprach von "Rechenmodellen", aus denen sich "keine Präferenz für tatsächliche Laufzeitverlängerungen" ableiten lasse. dpa/AFP/roe