„Vor allem in den drei Großstädten, also in Dresden, Leipzig und Chemnitz, im ländlichen Raum natürlich weniger.“ Groß ist vor allem die Nachfrage in der Nähe von Plattenbausiedlungen. „Da gibt es teils schon Wartelisten, wie zum Beispiel in den Dresdner Stadtteilen Prohlis und Gorbitz.“
Zum Bundesverband Deutscher Gartenfreunde mit Sitz in Berlin gehören 19 Landesverbände mit 15 200 Kleingärtnervereinen. Insgesamt gibt es nach den Verbandsangaben in Deutschland rund 1 020 000 Kleingärten mit einer Fläche von 46 640 Hektar. Genutzt werden sie von mehr als vier Millionen Menschen. Jeder fünfte Kleingärtner lebt in Sachsen. Der Freistaat stellt mit 220 000 Parzellen den größten Landesverband. Das weltweit einzige Museum zur Geschichte der Kleingärtnerei befindet sich in Leipzig.
In Sachsen wie in anderen Bundesländern interessieren sich zunehmend junge Leute für ein eigenes Stückchen Erde. „Sobald das erste Kind da ist oder das zweite kommt, fragen sie sich, wo kann sich unser Kind in und mit der Natur entwickeln und spielen“ , sagt Haß. Parks und öffentliche Grünanlagen würden nicht als Ersatz angesehen. Dennoch ist das Durchschnittsalter der sächsischen Kleingärtner eher gestiegen. „Das hat damit zu tun, dass vor 20, 30 Jahren viele Gartenfreunde jung angefangen haben und heute noch dabei sind“ , erläutert Haß.
Der 62-Jährige, der auch Vorsitzender des Stadtverbandes der Dresdner Gartenfreunde mit rund 23 200 Kleingärten ist, hat viele Gründe für das wachsende Interesse an der eigenen kleinen Scholle vor der Haustür ausgemacht: „Der Mensch hat einfach den Drang, sich mit der Natur zu beschäftigen. Gerade jetzt, da der Leistungsdruck ständig zunimmt, die Zeit immer schnelllebiger wird, da sucht der Mensch einen Ruhepunkt und Rückzugsraum.“ Und den findet er im eigenen Garten, bei Arbeit an der frischen Luft und geselligem Beisammensein mit den Gartenfreunden nebenan. „16 Jahre nach der Wende ist der Drang, die Welt kennenzulernen, erst einmal abgebaut“ , sagt Haß. Man besinne sich wieder auf die Heimat.
Aber der Himmel der Kleingärtner hängt nicht nur voller Geigen. In Hoyerswerda zum Beispiel ist die Entwicklung rückläufig. Hintergrund ist die drastische Abwanderung aus der jahrzehntelang von der Braunkohle geprägten Stadt. Probleme bereiten auch der Bau von Umgehungsstraßen und Brücken oder Autobahnen, wodurch Kleingärten verloren gehen.
Noch in einem anderen Punkt drückt der Schuh: steigende Kostenbelastungen. Dass die Kleingärtner als Pächter auch für Lauben bis zu 30 Quadratmeter Fläche die Grundsteuer B bezahlen müssen, ist „ein großes Ärgernis“ , wie Haß sagt. „Den Einnahmen daraus steht der zehnfache Verwaltungsaufwand gegenüber“ , rechnet er vor.