Ein Sortiment an sichergestellten osteuropäischen Böllern. Die so genannten "Polen-Knaller" sind hoch gefährlich und entsprechen nicht den deutschen Bestimmungen, warnt Hubert Lühn, Zollamtsvorsteher am deutsch-polnischen Grenzübergang Linken.Der vierte Advent in Schönwalde (Landkreis Dahme-Spreewald), es ist ein grauer und trüber Sonntag. Vereinzelt blinken Lichterketten in den Fenstern der liebevoll hergerichteten Häuschen an der Hauptstraße. Nichts erinnert daran, dass der Ort, der im August wegen seiner Kornkreise bundesweit Schlagzeilen machte, erst kürzlich zum Sieger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft“ gekürt wurde. Im Gegenteil, es herrscht eine gedrückte Stimmung, zu tief sitzt der Schock über das Unglück am vergangenen Freitagabend.
Matthias L. hat sich mit zwei Freunden (16 und 13 Jahre alt) wie so oft auf dem Sportplatz der Grundschule getroffen. Die drei verbringen einen Großteil ihrer Freizeit zusammen. Am Freitag aber starten sie ein gefährliches Experiment. Die Schüler schütten Pulver aus Schreckschuss-Patronen und aus Silvester-Böllern sowie Wunderkerzen in ein Einwegglas. Dann zündet Matthias den hochexplosiven Sprengstoffmix mit einer Wunderkerze.
Die selbst gebaute Bombe detoniert sofort. Lichtblitz und Knall sind weit im Ort zu sehen und zu hören. Die Wucht der Explosion schleudert Scherben und Steine meterweit, Matthias kostet sie fast das Leben. „Vor allem durch Glassplitter wurde der Junge an der gesamten Körpervorderseite schwer verletzt“ , sagt ein Polizeisprecher in Frankfurt (Oder) später. Auch der 16-Jährige wird durch Splitter leicht am Bein verletzt. Nur der jüngste der drei Schüler hat Glück, der 13-Jährige übersteht die Explosion wie durch ein Wunder unverletzt.
Matthias jedoch wurden die Hände zerfetzt, Oberkörper und Gesicht sind voller Blut, Hoden und Trommelfell geplatzt. Der schwer Verletzte wird von seinen beiden Freunde zum nächsten Haus gebracht, der alarmierte Notarzt fordert den Rettungshubschrauber an. Mit dem Heli- kopter wird Matthias in ein Berliner Krankenhaus geflogen, wo die Ärzte mit einer Notoperation seine Hände zusammennähen und sie somit retten können. Ob die schweren Verletzungen wieder völlig ausheilen und wie lange der Schönwalder Schüler noch auf der Intensivstation liegen muss, ist noch offen.
Die zuständige Polizeidirektion hat inzwischen die Ermittlungen zu dem Explosionsunglück in dem Spreewalddorf aufgenommen. Dabei interessieren sich die Beamten vor allem, wie die Schüler an die wahrscheinlich aus Polen stammenden Feuerwerkskörper und die Schreckschuss-Munition gelangen konnten.