Seit Jahresbeginn hat er etwa zwei Dutzend öffentliche Reden gehalten und vier Fernsehauftritte hingelegt. Doch all das scheint nicht zu helfen: In den Umfragen purzelt er immer weiter nach unten. Und mittlerweile knirschen auch in den eigenen Reihen viele mit den Zähnen.Die regierungsnahe Presse gibt sich alle Mühe, die negativen Ergebnisse umzudeuten oder in den weiten historischen Kontext einzuordnen. Sarkozy stehe zu seiner Unbeliebtheit, schreibt etwa der "Figaro". Er betrachte es als eine Herausforderung. Seine Amtsvorgänger seien zeitweise noch tiefer abgerutscht, François Mitterrand habe einen Tiefpunkt mit 22 Prozent Zustimmung erreicht. Sarkozy liegt derzeit bei 37 Prozent - kurz nach der Wahl betrug seine Beliebtheitsquote noch fast das Doppelte.Die Regierungsmaschine läuft aus dem Ruder, schreibt "Le Monde" unter Berufung auf mehrere unzufriedene Minister. Sarkozy kündige eine Reform nach der anderen an, aber der Staatsapparat komme mit der Umsetzung nicht hinterher, klagen Kabinettsmitglieder. Mehrfach ist Sarkozy in letzter Zeit eingeknickt und hat seine Reformvorhaben nach heftigen Protesten eingedampft."Sarkozy müsste im Team arbeiten und seine Minister zum Zug kommen lassen, aber genau das kann er nicht", zitiert "Le Monde" einen Betroffenen. Was Sarkozy nicht selbst erledigt, überlässt er seinem Schattenkabinett aus Beratern, die sich über die zuständigen Minister oft hinwegsetzen. Einen seiner Berater, François Pérol, hat Sarkozy nun auch noch zum Chef der fusionierenden Sparkassen und Volksbanken gemacht - obwohl viele Kritiker einen Interessenkonflikt befürchteten. Schließlich hatte Pérol zuvor noch das staatliche Hilfspaket für die Banken mit verhandelt. Die Demonstrationen gegen die hohen Kosten auf den französischen Karibikinseln hatte Sarkozy wochenlang ignoriert - "er mag die Antillen nicht", soll ein Minister erklärend gesagt haben. Auf Protestaktionen bei seinen Terminen reagierte er hingegen blitzschnell. Der Präfekt und ein weiterer Beamter wurden umgehend strafversetzt, weil sie eine Schülerdemonstration nicht verhindert hatten. Einen Bauernhof in einem 1600-Einwohner-Nest besuchte er unter dem Einsatz von immerhin 700 Polizisten.Während Sarkozy sich abstrampelt, starren die Franzosen voller Sorgen auf die schlechten Zahlen: Die Wirtschaft schrumpft voraussichtlich um 1,5 Prozent, das Haushaltsdefizit erreicht bald 100 Milliarden Euro, Anfang des Jahres gab es den bislang stärksten Anstieg der Arbeitslosenzahl.Unterdessen hat die französische Polizei einen Soldaten der Reserve festgenommen, der Morddrohungen an Nicolas Sarkozy, Innenministerin Michèle Alliot-Marie und zahlreiche andere konservative Politiker verschickt haben soll.