Schönewaldes Revierpolizist Jens Enke bewacht das "Brandhaus" in der Herzberger Straße am Dienstagvormittag. Er wartet auf die Kollegen von der Spurensicherung aus Cottbus. Äußerlich erinnert kaum noch etwas an die dramatischen Stunden der Nacht, in denen sich hier ein Eifersuchtsdrama abgespielt hat. Die kleine Stadt am Rande des Flämings hat sich wieder beruhigt. Dabei ging es wenige Stunden zuvor für einige ihrer Mitbürger um Leben und Tod.

Es ist eine Minute vor Mitternacht, als der Notruf bei der Schönewalder Feuerwehr eingeht: Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Herzberger Straße. Bewohner haben im Hausflur starken Rauch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Die Wehren aus Schönewalde und den Ortsteilen Wiepersdorf, Knippelsdorf, Jeßnigk, Bernsdorf und Ahlsdorf rücken aus. Aus dem benachbarten Herzberg wird das Drehleiterfahrzeug angefordert. Nachbarn werden von den Sirenen und den Einsatzfahrzeugen aus dem Schlaf gerissen.

In dem brennenden Haus befinden sich zehn Menschen. Die Situation vor Ort ist für die Feuerwehr nicht einfach. "Das Problem war für uns, dass das Feuer im ersten Geschoss ausgebrochen ist und aus den oberen Etagen niemand mehr über das Treppenhaus aus dem Gebäude kam. Die Mieter der oberen Etagen mussten wir durch die Fenster rausholen", so Schönewaldes Stadtbrandmeister Marc Wille.

Das Haus gehört dem privaten Vermieter Guido van Heere. Er ist sehr betroffen von dem, was sich in der Nacht zugetragen hat. "Einer jungen Familie mit einem kleinen Kind hat der Schönewalder Klaus Zielke aus der Nachbarschaft mit einer Leiter aus der Wohnung geholfen", berichtet Guido van Heerde. "Die Menschen hatten natürlich wahnsinnige Angst, aus dem Haus nicht mehr rauszukommen. Ganz oben unter dem Dach wohnen zwei junge Leute. Auch sie mussten durch das Fenster von außen gerettet werden", sagt er. Die Bewohner der oberen Etagen hätten schon vor dem Brand Auseinandersetzungen in der unteren Wohnung mitbekommen, so der Vermieter. Dass diese mit einem für alle gefährlichen Brand enden würden, konnten sie nicht ahnen,

Die Polizei, die in der Nacht mit den Ermittlungen zur Brandursache begonnen hat, geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass in der unteren Wohnung ein Beziehungskonflikt eskaliert ist, so die Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, Ines Filohn. Ein 50-jähriger und ein 37-jähriger Mann erleiden dabei schwere Brandverletzungen. Sie werden erst in ein Krankenhaus gefahren und anschließend mit dem Hubschrauber in Spezialkliniken nach Berlin und Leipzig geflogen. Eine 35-jährige Frau, die auch in der Wohnung war, wird mit einer Rauchgasvergiftung in eine Klinik eingeliefert.

In der Stadt erzählt man, dass sich die beiden Männer gegenseitig mit Benzin übergossen und dann angezündet hätten. Die Polizei bestätigt das nicht. "Was sich genau in der Wohnung abgespielt hat, werden erst die weiteren Ermittlungen ergeben. Die beiden Männer konnten noch nicht vernommen werden. Zwischen ihnen soll es zu einem Streit und dann zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen sein. In dem Zusammenhang soll die Wohnung des älteren Mannes in Brand geraten sein. Mehr können wir noch nicht sagen", so Ines Filohn.

In der Brandnacht ist auch Schönewaldes Bürgermeister Michael Stawski (parteilos) vor Ort. "Ich bin geschockt über das, was ich da erleben musste. Das war wie in einem Krimi. Der Einsatz hat den Feuerwehrleuten alles abverlangt. Der Stadtbrandmeister und sein Stellvertreter hatten aber alles im Griff. Da kann man nur den Hut ziehen. Dieser Brand ist schlimm, ich hoffe aber, dass er auch dazu beiträgt, die Wertschätzung der Arbeit der Feuerwehrleute in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Auch sollte das Land überlegen, ob es Feuerwehrfahrzeuge komplett finanziert. Den Kommunen fehlt oft der Eigenanteil, und wie wichtig eine gute Ausrüstung der Wehren ist, haben wir gerade erlebt", sagt er.

Der Bürgermeister hat den betroffenen Bürgern in der Nacht angeboten, sich an ihn zu wenden, wenn sie Wohnraum oder andere Hilfe brauchen. "Es hat sich aber niemand gemeldet. Ich gehe davon aus, dass alle versorgt sind", sagt Michael Stawski.

Die Mieter haben Unterkunft bei Verwandten oder Bekannten gefunden. Das Brandhaus in der Herzberger Straße ist jetzt erst einmal versiegelt. In der Brandwohnung müssen noch Untersuchungen durchgeführt werden. Die anderen Wohnungen sind relativ unbeschädigt. Allerdings ist das Treppenhaus total verrußt, sagt Guido van Heerde. Wenn das Haus freigegeben ist, müssten die Familien selbst entscheiden, wann sie wieder einziehen. "Sie stehen aber alle noch unter dem Schock der Ereignisse und brauchen noch etwas Zeit", meint der Vermieter.