Die Fläminger Spirituosen GmbH wird heute nach wie vor mit diesem Niedrigprozentigen in Verbindung gebracht. Eierlikör reicht nicht mehr zum Überleben. Doch längst hat die einstige Vorzeigemarke eine eher ernüchternde Entwicklung genommen. Der Absatz stagniere auf einem akzeptablen Niveau, andere Marken führen jedoch deutliche Erfolge ein, erläutert Geschäftsführer Michael Bouchette. An erster Stelle nennt er die "Fläminger Jagd". Der Kräuterlikör sei allein 2002 drei Millionen Mal an Mann und Frau gebracht worden.

Husarenstück gelungen
Rund 33 Millionen Flaschen Kräuterschnaps würden pro Jahr zwischen Ostseeküste und Bayrischem Wald verkauft. In diesen Markt einzubrechen gleiche einem Husarenstück. In den neuen Bundesländern hätten es die Zahnaer schon geschafft und belegten in der "Kräuter-Klasse" bereits den dritten Platz, sagt Bouchette. Dem traditionsreichen Ost-Unternehmen gelang Ende vergangenen Jahres ein großer Wurf. Mit der Übernahme der Marken "Feiner Alter Asmussen", "Balle" und "Boddel" vom bisherigen Produzenten Berentzen gehören nunmehr drei Rum-Marken zum Sortiment des Hauses. Inzwischen werden sie auch komplett im östlichen Zipfel Sachsen-Anhalts hergestellt. Gute Chancen rechnet sich der Geschäftsführer aus, in diesem Sortiment in die Oberliga aufzusteigen. Vier Millionen Flaschen aller drei Marken sollen im Jahr produziert werde n. Das entspricht etwa einem Anteil von fast 30 Prozent bei braunem Rum in Deutschland. Ziel sei es, in den kommenden vier Jahren Asmussen zum Marktführer zu machen, erläutert der Geschäftsführer. In der DDR gehörte die Likörfabrik Zahna mit Nordhausen und Wilthen zu den drei Großen im Land. 1878 war sie als Fabrik für Fruchtsäfte und Sauerkraut gegründet worden. Der Obst- und Gemüseanbau der Region machte einen solchen Betrieb sinnvoll. Die gute Verkehrslage an der damals gerade entstandenen Eisenbahnlinie von Berlin über Wittenberg nach Dessau tat ihr Übriges. Spirituosen kamen dann ab den 20er-Jahren aus Zahna. 1938 übernahm ein Prominenter die Firma: Carl Mampe stellt dort die Zutaten seines "Mampe halb und halb" her.
1952 wurde das Unternehmen Volkseigener Betrieb, nach der Privatisierung 1991 und der Übernahme der Likörfabrik durch die drinks&food Vertriebs GmbH Berlin wurde umfassend modernisiert. 250 Mitarbeiter, davon 160 an zwei Standorten in Polen, stellen heute Spirituosen her, daneben werden Bier, Wein und Sekt sowie Zigaretten vertrieben. Der Umsatz lag 2001 bei rund 216 Millionen Euro und 2000 bei 175 Millionen Euro. Fast 100 Mitarbeiter stehen in Zahna in Lohn und Brot. Neben den neuen Rum-Marken werden dort unter anderem Fruchtliköre ebenso wie Anhaltiner Sahnelikör produziert, Korn gebrannt und Branntwein gereift, 70 verschiedene Spirituosen entstehen insgesamt.

20 Flaschen Millionen jährlich
Für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel produziert die Fläminger Spirituosen GmbH Eigenmarken. An die 20 Millionen Flaschen verlassen laut Bouchette die Firma jährlich.