ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:48 Uhr

"Eierkuchen mit Konsenssoße"

Den Rückenwind selbst erzeugen: Gregor Beyer mahnt seine Partei zur Geschlossenheit.
Den Rückenwind selbst erzeugen: Gregor Beyer mahnt seine Partei zur Geschlossenheit. FOTO: dpa
Werder. Der Lausitzer Martin Neumann ist Spitzenkandidat der Brandenburger FDP für die Bundestagswahl 2013. Auf einer Landesvertreterversammlung am Samstag in Werder/Havel erhielt der 56-Jährige knapp 75 Prozent der Stimmen . Benjamin Lassiwe

" Wir wollen nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen", sagte Gregor Beyer, Landesvorsitzender der Brandenburger FDP. Eines der großen Übel der Politik sei es, alles mit "Konsenssoße" zu übergießen. "Nicht streiten kann nicht die Lösung sein."

Doch genau davon war bei den Liberalen, die am Samstag im Werderaner Gasthaus Bismarckhöhe tagten, nicht sehr viel zu spüren. Selbst der innerparteiliche Zwist zwischen Beyer und seiner Stellvertreterin Linda Teuteberg war für Außenstehende kaum wahrnehmbar. Als ein Parteimitglied noch vor der Grundsatzrede des Landesvorsitzenden den Geschäftsordnungsantrag stellte, diese mit einer Aussprache zu verbinden, hoben nur sehr wenig Delegierte die Stimmkarte aus gelbem Karton: Teuteberg, ihr Gatte Björn, dazu einige Vertreter des Kreisverbands Potsdam und versprengte Unterstützer aus anderen Gliederungen der Partei. Mit einer deutlichen Mehrheit wurde der Geschäftsordnungsantrag von den Delegierten abgelehnt. Statt einer Personaldebatte suchen Brandenburgs Liberale neue Harmonie.

In seiner Grundsatzrede fand Beyer dennoch klare Worte. "Den Rückenwind, den wir 2009 hatten, werden wir in dieser Form nicht mehr haben", warnte er die Delegierten. "Jetzt müssen wir selbst den Rückenwind erzeugen." Künftig soll es in der Brandenburger FDP regelmäßige Konferenzen aller Ortsvorsitzenden geben, um die Basis besser mit der Parteispitze zu verzahnen. "Wir müssen uns dem politischen Wettbewerb mit der ganzen Kraft unserer Überzeugung stellen", mahnte Beyer. Und auch der Vetschauer Bundestagsabgeordnete Martin Neumann mahnte die Delegierten zur Geschlossenheit. Als einziger Bewerber kandidierte der Wissenschaftspolitiker für den Spitzenplatz auf der Landesliste der Partei. "Wir setzen auf eine allgemeine Bildung, die zur geistigen und materiellen Selbstständigkeit beiträgt", sagte Neumann. "Wachstum schaffen wir nur durch Innovation, Innovation nur durch Bildung und Forschung." In Brandenburg sollten sich "nicht nur Wölfe, sondern auch wirtschaftliche Zugpferde" ansiedeln. Seine klaren Worte bedachten die Delegierten mit Applaus und Stimmen: Mit 139 von 187 abgegebenen Stimmen, knapp 75 Prozent, wurde er gewählt.

Linda Teuteberg saß indes an ihrem Platz, in der zweiten Reihe von hinten. Auf dem Parteitag war sie abgemeldet: Nur selten sprach sie mit anderen Delegierten. Ganz anders dagegen erging es dem jungen Falkenseer Max Koziolek, dem früheren Vorsitzenden der "Jungen Liberalen". Wie Teuteberg studiert auch er Jura, und wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Florian Toncar will er, ohne in seiner politischen Tätigkeit nachzulassen, in den nächsten Jahren das zweite Staatsexamen absolvieren. Mit einem deutlichen Stimmenvorsprung vor dem bereits im Rennen um die Direktkandidatur gescheiterten Potsdamer Kreisvorsitzenden Marcel Yon wählte ihn die Versammlung auf Platz zwei der Landesliste.

Wie er zu den Konflikten im Landesverband steht? "Es ist ein gutes Recht eines Landesvorsitzenden, Missstände in Partei und Fraktion anzusprechen", sagte Koziolek der RUNDSCHAU. Dennoch sei der von Beyer gewählte Weg "drastisch" gewesen. Von Teuteberg wiederum erwarte er, dass sie sich in die Partei einbringe, "wie alle anderen auch". "Wenn so eine Situation eintritt, wie wir sie jetzt haben, dann haben alle Fehler gemacht", sagte Koziolek. Denn Streit sollte es mit dem politischen Gegner geben - und nicht innerhalb der eigenen Partei.