Welten prallten aufeinander in der Turnhalle der ehemaligen Förderschule im Lübbenauer Ortsteil Kittlitz. Eine Lehrerin aus der Region im Ruhestand auf der einen, 30 überwiegend männliche Flüchtlinge zumeist aus Syrien auf der anderen Seite. Nur zu beobachten, was hier nun gleich passiert in der ersten Deutschstunde für die Heimbewohner, um danach darüber zu berichten - das lässt die energische kleine Frau mit der großen Präsenz nicht zu.

Der Reporter als willkommener Deutschlehrer-Assistent. Noch ein paar Schreibblöcke, Stifte und Lehrbücher von unten hochholen. Sind ja doch ein paar Lernwillige mehr gekommen als gedacht. Danach bitte noch kontrollieren, ob die Schüler auch die Buchstaben richtig aufschreiben. Dann die Aussprache. Edeltraut Lessing wirft den Flüchtlingen bunte Bälle zu. Wer fängt, muss den Buchstaben laut aussprechen, auf den sie an der Tafel zeigt. Reporter bitte nachmachen. Zu zweit lassen sich 30 erwachsene Wissbegierige besser beschäftigen.

Eine Etage tiefer beginnt im Flüchtlingsheim die Knetstunde. Sabine Targacz hat selbst gemachte Knete mitgebracht. Flüchtlingskinder umlagern den Tisch, der sich als zu klein erweist. Beim Anschleppen des zweiten Tischs kann sich der Reporter wieder nützlich machen.

Wer die Bürgerinitiative Buntes Lübbenau besucht, der wird sofort mit eingespannt. 100 Helfer kümmern sich um 140 Flüchtlinge in der Stadt. Die ehrenamtlichen Sozialarbeiter unterrichten dreimal täglich Deutsch, sammeln Spenden, basteln und backen mit den Kindern, organisieren Sportstättenbesuche. Dankbarkeit ist ein Lohn dafür und viele emotionale Momente.