"Herzberg estas pitoreska urbo", Herzberg ist eine malerische Stadt. Im Südharz wird Esperanto gesprochen. Die beschauliche Kleinstadt nennt sich selbst "la Esperanto-urbo", die Esperanto-Stadt. Zum 100. Todestag - am 14. April - des Erfinders der Kunstsprache, Ludwik Zamenhof, wurde dort am vergangenen Wochenende ein Platz nach ihm benannt.

Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich Peter Zilvar als Leiter der Esperanto-Gesellschaft Südharz für die Verbreitung der Sprache und die Idee Zamenhofs. "Die Sprache ist wesentlich leichter als jede andere Sprache, sie lässt sich in etwa einem Drittel der Zeit lernen", wirbt Zilvar. Etwa 120 Mitstreiter hat er mittlerweile in der Region. Ihr Engagement hat dazu geführt, dass Beschilderungen am Bahnhof und Speisekarten in Restaurants in Herzberg teilweise zweisprachig sind.

An dem bisher namenlosen Platz erinnert bereits eine Marmorbüste an Zamenhof. "Die Esperanto-Gesellschaft engagiert sich sehr für die Sprache, und wir unterstützen dieses Engagement", begründet Bürgermeister Lutz Peters die Entscheidung der Stadt, den Platz nun auch nach Zamenhof zu benennen.

Zamenhof wuchs in Bialystok auf, das heute im Nordosten Polens liegt. Als Jugendlicher hatte er das Gefühl, dass Konflikte zwischen den dort lebenden Juden, Polen, Russen und Deutschen oft aufgrund der Sprachbarriere entstanden. Er entwickelte deshalb die Idee für eine internationale und möglichst leicht erlernbare Sprache und legte 1878 mit 19 Jahren einen ersten Entwurf vor. "Im ersten Esperanto-Buch von 1887 hat Zamenhof drei Hauptaufgaben für seine Sprache formuliert", sagt Louis von Wunsch-Rolshoven vom Deutschen Esperanto-Bund in Berlin.

Erstens sollte sie spielend leicht erlernbar und zweitens sofort international nutzbar sein. Außerdem wollte Zamenhof ein Mittel finden, die Sprache massentauglich zu machen. Esperanto kommt mit einem Artikel, drei Zeiten und 16 Grammatikregeln ohne Ausnahmen aus.

Wie viele Esperanto-Sprecher es gibt, lässt sich nicht genau sagen. Schätzungen gehen von etwa zwei Millionen Menschen weltweit aus.

"Das dritte Ziel, dass sich die Sprache als internationales Verständigungsmittel neben der jeweiligen Muttersprache etabliert, hat sich nicht verwirklicht", sagt die Sprachwissenschaftlerin Sabine Fiedler von der Uni Leipzig. Sprachen würden nicht bedeutsam, weil sie schön klingen oder leicht erlernbar sind, sondern durch die Machtposition und die Attraktivität der jeweiligen Länder. "Esperanto hat keine Lobby, und es gibt keine Anzeichen für Veränderung", antwortet Fiedler auf die Frage nach der Perspektive. "Die Gemeinschaft der Esperanto-Sprecher ist relativ klein".

Sie sei aber ausreichend groß, die Weiterentwicklung der Sprache sei daher sichergestellt. "Esperanto ist daher kein gescheitertes Projekt, sondern eher zu wenig bekannt, um das Potenzial einschätzen zu können", meint Fiedler.

Nur wenige Menschen wissen, dass jährlich etwa 200 Bücher auf Esperanto erscheinen. Es gibt Esperanto-eigene Verlage, Vertriebsgesellschaften und Literaturzeitschriften, in denen die Rezensionen dazu erscheinen. "Es gibt Esperanto-Treffen, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, auf denen ausschließlich Esperanto gesprochen wird. Jährlich findet ein Weltkongress statt", berichtet Fiedler. Auf der Fremdsprachen-Plattform "Duolingo" sind rund 800 000 Lerner angemeldet.

Auch in Berlin und Essen fanden rund um den Jahrestag Veranstaltungen in Gedenken an Zamenhof statt. Alles Aspekte, die Peter Zilvar aus Herzberg in seiner Arbeit bestärken.

"Auch wenn sich Esperanto in absehbarer Zeit nicht zu einer Weltsprache entwickelt, wir tragen die Idee Zamenhofs dennoch weiter", sagt er. Esperanto heißt übersetzt "ein Hoffender".