Die Ehe wird in der Hauptstadt zum Auslaufmodell. Einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zufolge waren zuletzt ebenso viele Berliner ledig wie verheiratet. Das geht aus einer Erhebung hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg im Auftrag des Senats durchgeführt hat. Nach jüngsten Daten von 2013 lag demnach sowohl der Anteil der Ledigen als auch der der Verheirateten bei rund 41 Prozent. Hinzu kommen Verwitwete und Geschiedene.

Zum Vergleich: Bundesweit liegt der Anteil der Ledigen demnach bei fast 29 Prozent - so niedrig war er in Berlin 1996. Auch dort nahm ihre Zahl allerdings zu.

Eine Hochzeit ist vor allem bei Unter-30-Jährigen in der Hauptstadt die Seltenheit: Waren 1996 in Berlin noch 34,6 Prozent der jungen Frauen und 22,7 Prozent der jungen Männer unter der Haube, traf das 2013 noch auf nur noch 14,2 Prozent der Frauen und 7,3 Prozent der Männer unter 30 zu. Bundesweit lag der Wert etwas höher.

„Es gibt zunehmend Paare ohne Eheschein und es gibt sehr viele Alleinerziehende“, sagte Frauenministerin Dilek Kolat (SPD) bei der Präsentation der Studie. Nach jüngsten Zahlen aus 2013 lebten in der 3,4-Millionen-Einwohnerstadt rund 104 500 Alleinerziehende. Neun von zehn sind der Studie zufolge Frauen.

„Es ist nicht mehr die Realität in unserer Gesellschaft, dass Familie aus Vater, Mutter, Eheschein und Kindern besteht“, betonte Kolat. Das macht sich auch für den Nachwuchs bemerkbar: Zuletzt wuchsen 28 Prozent der Berliner Kinder bei Alleinerziehenden auf - 1996 lag der Wert noch bei rund 23 Prozent. Zudem leben demnach immer mehr Kinder bei unverheirateten Eltern.

Kolat sieht deswegen Handlungsbedarf: „Die Veränderung von Lebensverhältnissen verlangt politisches Handeln“, sagte die Politikerin. „Insbesondere der hohe Anteil alleinerziehender Familien zeigt, dass es einer Familienpolitik bedarf, die allen Familien mit Kindern zugute kommt.“ Nötig sei gezielte Unterstützung für Menschen in dieser Lebensform. Als Beispiele nannte sie einen höheren Kinderzuschlag, den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und stärkere Anstrengungen, Alleinerziehende in Arbeit zu bringen.

Die Zunahme des Anteils Lediger betrifft den Statistikern zufolge im Übrigen gleichermaßen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund - allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Bei Volljährigen mit ausländischen Wurzeln war der Anteil der Verheirateten mit 50,7 Prozent zuletzt noch größer als der der Ledigen (35,9 Prozent).