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| 02:39 Uhr

Eden Carlson erholt sich langsam

Eden Carlson kann wieder normal reden und mit Hilfe auch gehen.
Eden Carlson kann wieder normal reden und mit Hilfe auch gehen. FOTO: dpa
New Orleans. 15 Minuten befand sich ein zweijähriges Mädchen nach dem Sturz in ein Schwimmbecken unter Wasser. Sein Gehirn wurde schwer geschädigt – hat sich nach einigen Monaten aber erstaunlich gut erholt, berichten seine Ärzte um Paul Harch von der Uniklinik in New Orleans. Valentin Frimmer

Die kleine Eden Carlson, die mittlerweile drei Jahre alt ist, erlitt bei dem Unfall im vergangenen Jahr einen Herzstillstand und musste 100 Minuten lang wiederbelebt werden. Eden hatte sich im Haus ihrer Eltern an einem Baby-Gitter vorbeigemogelt und war dann in den Pool gestürzt. Die "Bild"-Zeitung und die "Welt" hatten über den Fall berichtet.

Als sie nach mehr als einem Monat aus dem Krankenhaus entlassen wurde, reagierte Eden nicht auf Reize und wand sich ununterbrochen. Fast zwei Monate nach dem Unfall begannen Paul Harch und sein Team, das Mädchen einer speziellen Sauerstoff-Therapie zu unterziehen. Dabei wurde dem Kind über die Nase reiner Sauerstoff eingeflößt - zunächst ohne und später mit Überdruck.

Nach der Therapie konnte Eden den Ärzten zufolge wieder normal reden und - mit Unterstützung - auch wieder gehen. Die weiße und graue Substanz im Gehirn, die durch den Unfall teilweise verloren gegangen war, war nach der Therapie wiederhergestellt, wie die Ärzte mit Hilfe von Magnetresonanztomografie feststellten.

Dass sich das Gehirn des Mädchens nach einigen Monaten deutlich erholt hat, führen die Ärzte um Harch auf die Sauerstoff-Therapie zurück. Christoph Dodt, Präsident der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) sagt hingegen: "Dass eine Sauerstofftherapie nach zwei Monaten noch hilft, ist schwer zu glauben."

Er kann den Zusammenhang zwischen Therapie und Genesung nicht nachvollziehen. "Ich habe keine physiologische Erklärung dafür." Der Bericht der Ärzte um Harch mache nicht deutlich, ob die gute Entwicklung des Mädchens tatsächlich an der Therapie lag oder ob ihr Hirnschaden von Anfang an geringer war als angenommen. Man müsse nun in Studien untersuchen, ob die Sauerstoff-Therapie auch bei anderen Patienten einen Erfolg zeige.

Prinzipiell sei es nicht unüblich, dass kleine Kinder längere Zeit unter Wasser überleben können, sagt Dodt. Insbesondere dann, wenn das Wasser kalt sei. Der Pool von Edens Eltern hatte nur fünf Grad.

Laut Dodt ist es in Deutschland nicht etabliert, Hirnschäden mit dieser speziellen Sauerstoff-Therapie zu behandeln. Reinen Sauerstoff mit Überdruck bekämen hierzulande Menschen mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung - allerdings sofort und nicht Wochen später.