Bei der Beschreibung des heranbrechenden neuen Tages blieb der Wahlsieger jedoch relativ vage. Stattdessen beschwor er die nationale Würde, gab sich versöhnlich und rief zur Einheit auf.

Erste Kraftprobe im Januar
Allerdings wartet gleich nach dem Amtsantritt am 15. Januar die erste Kraftprobe auf den politisch unerfahrenen Correa. Für die von ihm proklamierte "Bürger-Revolution" will er eine verfassunggebende Versammlung einberufen. Die kann laut Verfassung jedoch nur vom Parlament einberufen werden. In dem Einkammerparlament verfügt der gewählte Präsident aber nicht über einen einzigen Abgeordneten, weil er aus Protest gegen die Volksvertretung zur Parlamentswahl am 15. Oktober keine Kandidaten aufgestellt hatte.
Stattdessen stellt die Prian-Partei von Wahlverlierer Alvaro Noboa mit 28 von 100 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Zweitstärkste Fraktion mit 24 Parlamentariern ist die Patriotische Gesellschaft des 2005 gestürzten Präsidenten Lucio Gutierrez, der eher Noboa nahe steht. Auch die anderen gerade erst gewählten Parlamentarier werden wenig Lust verspüren, gleich wieder einer verfassunggebenden Versammlung Platz zu machen. Correa dürfte dann eine Volksabstimmung ansetzen, und der Eklat wäre perfekt.
Auch auf anderen Politikfeldern warten harte Nüsse auf den künftigen Präsidenten. Wie andere linksgerichtete Staatschefs Lateinamerikas lehnt er die internationalen Finanzorganisationen ab und will die Schuldenlast notfalls auch durch ein Moratorium mildern. Das fast fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen mit den USA, das auch in den Vereinigten Staaten umstritten ist, will er endgültig zu den Akten legen. Das werden ihm vor allem die Kleinbauern danken, die Angst vor billigen Agrarimporten aus den USA hatten. Um die Anleger und die Privatwirtschaft nicht zu sehr zu verstören, versprach er jedoch zugleich, den 2000 als alleinige Währung des Landes eingeführten US-Dollar beizubehalten.

Schöne Worte, gute Absichten
Viel ist bei Correa wie bei seinem Freund, dem populistischen Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, oder beim bolivianischen Indio-Präsidenten Evo Morales von "nationaler Würde" und der "Wiedergewinnung des Vaterlandes" die Rede.
Die Ecuadorianer fordern vor allem die entschiedene Bekämpfung der Korruption, mehr ordentlich bezahlte Arbeitsplätze, Wohnungen, Essen und Gesundheitsvorsorge. Jenseits aller schönen Worte und guten Absichten wird Correa daran gemessen werden, ob er diese Hoffnungen der Menschen erfüllt. Und die haben in der Vergangenheit bei Unzufriedenheit mit dem jeweiligen Staatschef nicht lange gefackelt. Die drei Amtsvorgänger Correas wurden aus dem Präsidentenpalast verjagt.