Der Prignitzer Eisenbahnunternehmer Thomas Becken will das von der Schließung bedrohte Eisenbahnausbesserungswerk in Eberswalde retten. Auf einen im Frühjahr angedachten Ausbau seiner Werkstatt in Wittenberge will er dafür allerdings verzichten. Das sagte Becken am Dienstag während einer Pressekonferenz im Potsdamer Wirtschaftsministerium.

"Anfang des Jahres hatten wir eine Erweiterung in Wittenberge geplant." Durch Kontakte mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Prignitz habe sich dann die Möglichkeit ergeben, als möglicher Investor in Eberswalde einzusteigen.

Dort will Becken fünf bis sechs Millionen Euro investieren und rund 100 der 350 Mitarbeiter übernehmen. In Eberswalde sollten dann Güterwagen und Lokomotiven gewartet werden, sagt Becken. Das allerdings lehnt die Deutsche Bahn bislang strikt ab.

Auf das im Oktober eingereichte Angebot habe er bislang keine Antwort erhalten, sagte Becken. "Was hier passiert, erinnert mich fatal an die 1990er-Jahre", sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). "Die Deutsche Bahn gehört zu 100 Prozent der Bundesrepublik Deutschland - sie darf sich nicht aufführen wie eine Heuschrecke von den Cayman Islands."

Becken habe ein gutes Konzept für die Zukunft des Eberswalder Bahnwerks präsentiert und könne die höchstmögliche Unterstützung des Landes für seine Investitionen erwarten.

Auch der Betriebsratsvorsitzende Ulf Boehnke sagt: "Wir können da mitgehen, wenn die Bahn uns nicht mehr will." Für Eberswalde ist das Bahnwerk der einzige verbliebene größere Industriearbeitgeber.

Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) sprach davon, dass es für ihn nicht nachvollziehbar sei, dass ein Werk, das volle Auftragsbücher habe, geschlossen werden solle.

Am Freitag soll es ein weiteres Spitzengespräch zwischen Minister Gerber und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, geben. Es werde nicht die letzte Gesprächsrunde sein, so Gerber.

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Der Geschäftsführer der Eisenbahnservice AG, Thomas Becken, gründete vor 20 Jahren die Prignitzer Eisenbahngesellschaft. Mittlerweile gehören zu seinem Unternehmen mehrere Firmen, unter anderem ein Bahnwerk in Wittenberge. Zu dem Angebot an die Bahn - über das Stillschweigen vereinbart worden war - machte Becken am Dienstag keine weiteren Angaben.