Die Lage in der südirakischen Großstadt Basra, die von britischen Truppen eingeschlossen ist, war am Mittwoch unklar. Britische Militärsprecher berichteten von einem Aufstand der schiitischen Bevölkerung gegen regimetreue Streitkräfte. Dabei hätten irakische Soldaten auf die Rebellen gefeuert.

Britische Truppen hätten das örtliche Hauptquartier der regierenden Baath-Partei getroffen und weitgehend zerstört. Die Berichte über den Aufstand wurden von der irakischen Führung dementiert. Der arabische Fernsehsender El Dschasira, der ein eigenes Team in Basra stationiert hat, erklärte, es gebe keine Anzeichen einer Rebellion. Der britische Fernsehsender BBC interviewte einen irakischen Wissenschaftler im britischen Exil, der in telefonischem Kontakt zu Familienmitgliedern in Basra steht. Er sagte: „Es gibt einige Schießereien. Einige Slogans werden gegen Saddam gerufen. Aber andere Leute sagen, dass es keine echte Volkserhebung gibt.“

Basra ist mit 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Ein britischer Militärsprecher sagte am Mittwochmorgen, die Zeit sei noch nicht reif, um in die Stadt selbst vorzudringen. Die Briten wollten dies jedoch so schnell wie möglich tun.
Die britischen Truppen warten nach eigenen Angaben noch auf den besten Moment, um in die südirakische Stadt Basra einzurücken. „Wir werden handeln, wenn der richtige Augenblick gekommen ist“, sagte der britische Armeesprecher Al Lockwood am Mittwoch im BBC-Fernsehen. Er bestätigte, dass die britischen Truppen bei Basra am Morgen den Kampf mit fliehenden irakischen Soldaten und Milizen aufgenommen hätten.

Auch am Mittwoch Bomben auf Bagdad

Am Mittwochvormittag hat eine neue Welle von heftigen Luftangriffen auf Bagdad begonnen. In der Stadt waren mehrere Explosionen zu hören. Wegen Sandsturms war zunächst nicht zu erkennen, welche Ziele getroffen wurden. Wie der Reporter des arabischen TV-Senders El Dschasira berichtete, gab es keinen Luftalarm. Die Radaranlagen funktionierten möglicherweise wegen des Sandsturms nicht, sagte er. Am frühen Morgen hatten die alliierten Streitkräfte in der Hauptstadt bereits das Fernsehgebäude bombardiert.

Bei einem Raketeneinschlag auf einem Markt in Bagdad sind dabei nach irakischen Angaben Dutzende Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Der Markt im Norden der Stadt sei am späten Mittwochmorgen von mindestens zwei Raketen der britischen oder US-Armee getroffen worden, teilte der Leiter der irakischen Zivilverteidigungskräfte mit. Die Geschosse seien in Gebäuden eingeschlagen, die im Erdgeschoss Werkstätten beherbergten und in deren oberen Stockwerken Wohnungen seien.

Die Türkei wird vorläufig keine weiteren Soldaten nach Nordirak schicken, behält sich aber eine Truppenentsendung unter bestimmten Bedingungen vor. Jede Intervention der türkischen Armee in Nordirak werde in Abstimmung mit den USA erfolgen, betonte Generalstabschef Hilmi Özkök jetzt im südostanatolischen Diyarbakir in einer Grundsatzerklärung zu den umstrittenen Stationierungsplänen. Zugleich benannte er aber Szenarien, bei deren Eintreffen Ankara einen Einmarsch für nötig hält. Im Moment gebe es keinen Grund, die schon in Nordirak stationierten türkischen Einheiten zu verstärken, sagte Özkök. Wenn es allerdings eine Massenflucht an die türkische Grenze gebe, die türkischen Einheiten im Nordirak angegriffen würden oder innere Kämpfe in Nordirak ausbrechen sollten, die die Stabilität in der Grenzregion gefährden, würden die türkischen Streitkräfte intervenieren.

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