Regierungskoalition spielen - und zugleich das Profil der SPD als eine "linke Volkspartei" schärfen. "Wir haben noch zwei Jahre Zeit, ein paar Gänge hochzuschalten", sagte Dulig gestern nach seiner Wahl in der Fraktion.
Es tue dem Land gut, so das Credo des früheren Juso-Chefs, dass die SPD nach der CDU-Alleinherrschaft endlich mitregiere. Doch schaue man auf die Umfragewerte, sei dies den Wählern offenbar nicht glaubhaft gemacht worden. In der Tat: Die Sozialdemokraten rutschten im vergangenen Vierteljahr schon zweimal auf nur acht Prozent Zustimmung, dazwischen waren es gerade zehn bis zwölf Prozent. Er sehe seine Aufgabe folglich darin, dass SPD-Positionen in der Koalition "besser rüberkommen", so Dulig, "auch wenn's mal weh tut".
Zur Koalition stehe er dennoch, betont Dulig ohne Abstriche. "Ich will, dass die Regierung bis zum Ende steht." Die SPD solle dabei in Zukunft nicht mehr über jedes Stöckchen springen, das man ihr hinhalte. Die Glaubwürdigkeit der Partei habe darunter gelitten, dass sie schon mehrfach erklärt habe: Noch einen Schritt, und dann ist es vorbei. "Wir sollten die Dinge lieber im Vorfeld abräumen", sagt Dulig, der seit drei Jahren als Parlamentarischer Geschäftsführer im Landtag seine Erfahrungen mit der CDU gesammelt hat. "Wenn wir Auseinandersetzungen öffentlich führen, zeigen wir offene Flanken." Duligs Vorgänger Cornelius Weiss war vorige Woche noch mit scharfen Angriffen auf Milbradt zurückgetreten. Der Ministerpräsident habe die SPD "wie ein Bulldozer" überrollt.
Doch der neue Fraktionschef, der aus einem christlichen Elternhaus stammt, plant die Profilierung auch nach links - und kündigt gegenüber der Linken schärfere Auseinandersetzungen an. "Wir müssen die Themen besetzen, die uns gehören", sagt Dulig. Der Anspruch als "Volkspartei" messe sich dabei nicht an den Mitgliederzahlen von nur rund 4500 und dem letzten Wahlergebnis von 9,8 Prozent, sondern daran, dass die SPD soziale Politik für alle mache.