Als Vorsitzende der Kreisorganisation Leipzig des Blinden- und Sehbehindertenverbandes hat sie bei der Planung des neuen Gartens, der vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen gedacht ist, mitgeholfen und ihre Vorstellungen eingebracht.

250 000 Euro teures Projekt
Das mehr als 2000 Quadratmeter große Areal soll am 6. Juni 2007 - am bundesweiten Tag der Sehbehinderten - eröffnet werden. Blinde und Sehbehinderte werden dann eine duftende Oase mit vielen einheimischen und exotischen Pflanzen vorfinden, die es zu ertasten und zu riechen gilt. Mehr als 15 Jahre hat der Blinden- und Sehbehindertenverband für einen solchen Park gekämpft. Bereits 1986 war im Leipziger Rosental der erste Blindenpark als DDR-weit einziger seiner Art eröffnet, aber in den 90er-Jahren durch Vandalismus weitgehend zerstört worden.
Auf Initiative von Blindenverbänden beschloss der Leipziger Stadtrat vor vier Jahren die Wiedererrichtung des Parks für die etwa 4000 Blinden und Sehbehinderten in Leipzig. Der neue Duft- und Tastgarten entsteht nun im Friedenspark im Südosten der Stadt unter Federführung des Grünflächenamtes und des Botanischen Gartens. Finanziert wird das 250 000 Euro teure Projekt, das genau gegenüber vom Apothekergarten liegt, fast ausschließlich von zwei privaten Sponsoren. Für die Pflege des 45 mal 45 Meter großen Blindenparks, der von April bis Oktober geöffnet sein wird, ist der Botanische Garten zuständig. Dazu wurde zwischen der Stadt Leipzig und der Universität ein Vertrag geschlossen.

Themen in Quadraten
Der Park ist zur besseren Orientierung klar gegliedert. "Es wird 16 Felder geben, die über ein Wegesystem erreichbar sind", erklärt der Direktor des Botanischen Gartens, Wilfried Morawetz. Jedes der einzelnen Quadrate ist einem anderen Thema gewidmet. Die verschiedensten Pflanzenthemen werden teils in Hochbeeten, teils in Themengärten wie einem Wald- und Sumpfgarten, einem Obst-, Wasser-, Riesenkräuter-, Bambus-, Exoten- sowie einem Kunstgarten präsentiert. Vor allem die Hochbeete sind Morawetz zufolge bequem zu ertasten. Auch eine Grotte wird es in dem Park zu erkunden geben. Sie nimmt auf der Baustelle des Blindengartens derzeit allmählich Gestalt an.
Je nach Jahreszeit sollen die Beete mit intensiv duftenden Gewächsen wie Veilchen oder Rosen oder Pfefferminze bepflanzt werden. "In einem Quadrat wird die Evolution der Pflanzen dargestellt", berichtet Morawetz.
Dort werden beispielsweise Schachtelhalme und Farne zu finden sein, die es seit 300 Millionen Jahren gibt. Entsprechende Informationen dazu sollen auf Schildern auch in Blindenschrift zu lesen sein. Allerdings sei die Finanzierung der Beschilderung noch nicht geklärt. In Deutschland gibt es mehrere dieser ganz besonderen Park-Projekte, ein weiteres auch noch in Sachsen, sagt Morawetz.
Für die Kids soll es spezielle Führungen geben. Dabei können sie mit einer Augenbinde durch den Garten gehen und die Pflanzen in ihrer Umgebung wie Sehbehinderte intensiv riechen und ertasten. "Wir versuchen, dem Publikum das sensorische Erlebnis der Pflanzen zugänglich zu machen", betont der Botanik-Experte.

Impuls für Tourismus
Christiane Kohl freut sich schon auf ihren ersten Spaziergang durch den neuen Duft- und Tastgarten. Sie hofft, dass das Projekt den Tourismus in Leipzig ankurbelt und vor allem Blinde und Sehbehinderte auch von weiter her kommen, um in dem Park ein intensives Tast- und Dufterlebnis zu haben.
Gerade hat die rührige Frau einen Brief an die Leipziger Verkehrsbetriebe mit der Bitte geschrieben, in den Straßenbahnen der Umgebung den Zugang zu dem neuen Garten künftig anzusagen. Schließlich könnte es sein, dass sehbehinderte Touristen extra wegen der neuen grünen Duft-Oase nach Leipzig kommen.