Die Bilanz im Irak muss auch für US-Präsident George W. Bush bitter sein. Mehr als 3200 tote und 24 000 verletzte Soldaten sind allein auf US-Seite zu beklagen. Fast 500 Milliarden Dollar (380 Milliarden Euro), weit mehr als der gesamte deutsche Bundeshaushalt 2007, werden die USA bis 2008 für den Irakkrieg ausgegeben haben - aber ein Ende des Militär-Abenteuers ist gar nicht absehbar.
Die Amerikaner sind tief gespalten und verunsichert über den "globalen Krieg gegen den Terror". Bushs Popularität ist auf einem Tiefpunkt, ebenso das Ansehen der USA in vielen Teilen der Welt. Der Albtraum, der Irak könnte Bushs Vietnam werden, hat längst Konturen gewonnen: Die jüngste Entsendung neuer US-Truppen erinnerte viele Amerikaner an die Durchhalteparolen Ende der 60er-Jahre. Allerdings fürchten viele, die Folgen einer US-Niederlage in Nahost könnten weit verheerender sein als damals gegen die Kommunisten in Südostasien.

Radikal anti-amerikanische Kräfte
Selbst viele Kriegsgegner bei den US-Demokraten wie Senatorin Hillary Clinton warnen vor einem "überstürzten Abzug", weil der Irak unweigerlich ins Chaos stürzen und letztendlich zur Hochburg radikal anti-amerikanischer Kräfte werden würde. Und dann müssten die US-Truppen "über kurz oder lang wieder zurückkehren", so US-Sicherheitsberater Stephen Hadley. Auch viele Demokraten fürchten, dass sich die USA im Irak in einer Falle befinden.
Inzwischen hat Bush Fehler zugegeben. Kleinlaut haben auch Neokonservative eingestanden, dass sie die ethnisch-religiöse Zerrissenheit der Iraker unterschätzt hatten. Die Begründung des Krieges - Massenvernichtungswaffen im Irak - hat sich ohnehin als substanzlos erwiesen. Als Symbolfigur der gescheiterten US-Strategie musste Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gehen. Der Militärschlag mit mehr als 170 000 Soldaten der Alliierten hatte zwar gereicht, rasch Saddam Hussein zu stürzen. Für Stabilität und Sicherheit sorgen konnte die Streitmacht nicht - was sie wohl auch gar nicht sollte. Aber der Irak wurde statt eines "Leuchtturms der Demokratie", wie Bush hoffte, trotz erfolgreicher Wahlen und Verabschiedung einer Verfassung zunehmend Schauplatz von Chaos und Terror.

Konflikte mit islamischer Welt
Viele US-Politiker fürchten, dass der Irakrieg eine enorme Hypothek für die US-Weltpolitik weit über die Amtszeit von Bush, die im Januar 2009 endet, sein wird. "Am Ende der Talfahrt (im Irak) steht der Konflikt mit dem Iran und großen Teilen der islamischen Welt", schreibt Ex-Sicherheitsberater Zbigniew Brezezinski. Die USA drohten in Nahost in einen Sumpf von Gewalt für "20 Jahre oder mehr" zu versinken. Auch Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi fürchtet "dramatische Folgen" des Kriegs für die US-Außenpolitik der Zukunft.
Die von Bush angestrebte Weltordnung mit den USA als Führungsmacht scheint in weiter Ferne. Sogar Neokonservative sehen die USA handlungsunfähig gegenüber der aufstrebenden Nuklearmacht Iran, die sich als regionaler Gewinner des US-Präventivkriegs fühlen darf. Bush hatte den Regimewechsel im Irak als Schlüssel für die Demokratisierung des Nahen Ostens und einen Sieg über den Terrorismus betrachtet. 2007 scheint es nur noch um Schadensbegrenzung zu gehen. Verteidigungsminister Robert Gates betonte, dass die USA wohl "zur Verteidigung unserer Interessen" noch auf Jahrzehnte im Nahen Osten militärisch engagiert bleiben müssten.