Nicht bei den eigenen Genossen, erst recht nicht bei der Union, weil er für den Rücktritt des früheren Innenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) im Februar im Zuge der Edathy-Affäre verantwortlich gemacht wird.

Wackelkandidat

Schon damals stand er auf der Kippe. Jetzt wird es für Oppermann wieder eng. Freilich hätte die SPD erhebliche Probleme, den Posten neu zu besetzen. Alle wichtigen Leute sind in die Regierung gegangen, auch Frank-Walter Steinmeier, der Außenminister, der die Fraktion zuvor lange geführt hatte und das kann.

Sigmar Gabriel waren im Herbst auch Ambitionen nachgesagt worden, doch hat der Parteichef sich für eine Regierungs-Rolle als Vizekanzler und Wirtschaftsminister entschieden. Ähnliches gilt für Arbeitsministerin Andrea Nahles.

In einer reibungslos funktionierenden Großen Koalition haben die Fraktionen ohnehin keine große Bedeutung, zumal die 80-prozentige Mehrheit einzelne Abweichler zulässt. Sie sollen abnicken, was Regierung und Koalitionsgipfel vereinbart haben.

Oppermann ist als geschmeidiger Gefolgsmann Gabriels, der dessen Politik umsetzt, eine ideale Lösung. Beide kommen aus Niedersachsen, haben dort schon zusammengearbeitet.

Fast nahtlos in die Fußstapfen könnte eigentlich nur Hubertus Heil treten, jetzt wirtschaftspolitischer Sprecher und Fraktionsvize. Der 44-Jährige, der ebenfalls Niedersachse ist, hat als früherer SPD-Generalsekretär zudem auch die Erfahrung eines politischen Generalisten.

Die Frage wäre allerdings, ob die Fraktion jetzt nicht lieber jemanden an der Spitze sehen will, der eine eigenständigere Position gegenüber Gabriel einnimmt. Und eine Frau.

Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rückt dann in den Blick. Die Bundestagsvizepräsidentin hatte schon im vergangenen Jahr Ambitionen auf den Job. Auch die Berliner Abgeordnete Eva Högl hat sich als eigenständiger Kopf hervorgetan. Sie hätte gegenüber Schmidt den Vorteil, für einen Neuanfang zu stehen.

Doch spricht gegen sie, dass sie den Edathy-Untersuchungsausschuss leitet - und es öffentlich seltsam ankäme, wenn sie so zur Nutznießerin der Affäre würde.

Große Lösung?

Sonst gäbe es in der Fraktion als erfahrene Frau nur noch Ute Vogt, die frühere SPD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, die allerdings als nicht hart genug für den Job gilt.

Denkbar wäre, so heißt es, auch eine "große Lösung". Dann gäbe es ein Kabinettsrevirement und Gabriel oder Nahles würden selbst die Fraktion übernehmen. Das würde aber nur Sinn ergeben, wenn die SPD sich stärker gegen die Union profilieren wollte. Es wäre eine Kampfansage an die Große Koalition und Vorzeichen für einen Wechsel in Richtung Rot-Rot-Grün. Dafür gibt es derzeit inhaltlich keine Basis.