Die E-Mail, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ging an das Büro des Staatssekretärs und engen Vertrauten de Maizières (CDU), Stéphane Beemelmans. Darin rät Selhausen davon ab, die serienmäßige Beschaffung des "Euro Hawk" durch die Bestellung von "Langläuferteilen" einzuleiten: "Nach meiner Einschätzung werde ich eine solche Maßnahme nicht empfehlen."

Der Betreff legt nahe, dass die E-Mail der Vor- oder Nachbereitung eines Gesprächs de Maizières mit dem Vorstandschef der EADS-Rüstungstochter Cassidian dienen sollte. Dort heißt es: "Gespräch BM mit CEO Cassidian am 19. Januar 2012". BM steht für Bundesminister, CEO für Vorstandschef. Selhausen wich in der Zeugenvernehmung vor dem Ausschuss der Nachfrage aus, ob er mit seinem Hinweis den Minister erreichen wollte. "Die Intention dieser E-Mail war, das Büro darauf aufmerksam zu machen, dass hier sich ein Thema abzeichnet, das möglicherweise sehr gravierend im Programm ,Euro Hawk' sein" könnte, sagte er.

Der Bundesrechnungshof warf derweil dem Verteidigungsministerium schwere Versäumnisse beim Drohnen-Projekt vor. Die zuständige Prüferin Angelika Bauch machte im Untersuchungsausschuss des Bundestags folgenschwere Fehler schon weit vor der Amtszeit von de Maizière aus. Bereits 2009 hätte das Ministerium das Milliardenprojekt neu bewerten und einen Abbruch erwägen müssen. De Maizière wurde im März 2011 Verteidigungsminister.

Ungeachtet aller Kritik und der anhaltenden Rücktrittsforderungen der Opposition bekräftigte der Minister unterdessen, dass er auch nach der Bundestagswahl im Amt bleiben wolle. Er habe in seiner politischen Laufbahn häufig sein Ministeramt wechseln müssen, oft ohne die Früchte der von ihm angestoßenen Reformen einsammeln zu können, sagte der CDU-Politiker der "Stuttgarter Zeitung".