geworfen - und viele scheinen bislang einfach weggeschaut zu haben. Videomaterial der ARD belegt, wie Drogenhändler „liefern“ und die Häftlinge drinnen mit Angeln aus Schnüren und Gabeln versuchen, die „Ware“ in die Zelle zu hieven. „Knastskandal“ titeln die Berliner Zeitungen inzwischen. Der Fall wirft nun auch Fragen nach Mängeln im Strafvollzug insgesamt auf.
Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) gerät zunehmend in die Schusslinie. So musste sie jetzt kleinlaut zugeben: „Es werden sehr viele Mobiltelefone geworfen. Wir haben allein in diesem Jahr schon 400 Handys eingesammelt. Und wir haben Drogen sichergestellt: Haschisch und Ecstasy“ , so die Senatorin. In welchen Mengen, wollte sie nicht verraten. Die Justizbehörde Berlins habe jedoch umgehend gehandelt, als sie von den Sicherheitslücken erfahren habe. von der Aue weiter: Engmaschige Gitter für die Zellenfenster der Knackis müssten jedoch extra angefertigt werden - und das dauert.
Die Zustände in der Hauptstadt sind nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD), Anton Bachl, vom Ausmaß her ein Einzelfall. Generell mangele es in deutschen Gefängnissen an Personal: „Bundesweit fehlen 1500 Stellen“ , so Bachl zur RUNDSCHAU. Außerdem müsse die Überwachungs- und Alarmtechnik in den Gefängnissen dringend optimiert werden. Häufig fehlten Videoanlagen, die anzeigten, wenn Gefangene aktiv würden „oder aber etwas über die Mauer geschmissen wird“ . Deshalb werde es zunehmend schwieriger, den Schmuggel in die Gefängnisse zu unterbinden. Zugleich kritisiert Bachl das Fehlen von Einzelhafträumen. Zu viele der insgesamt 80 000 Häftlinge in Deutschland seien inzwischen in Gemeinschaftszellen untergebracht. „Das führt zu massiven Problemen unter den Gefangenen und bei der Resozialisierung.“
Die Berliner schütteln jedenfalls verwundert den Kopf darüber, wie sich die Politik derzeit aus der Verantwortung windet und was im Strafvollzug der Hauptstadt alles möglich ist. Erst Recht, seit bekannt geworden ist, dass auch eine dreiteilige Aluminiumleiter in den Hof des Gefängnisses geworfen wurde, während dort eine 20-köpfige Sportgruppe ein Lauftraining absolvierte. Der Ausbruchsversuch konnte in letzter Minute vereitelt werden. Es grenze an ein Wunder, sagen Experten, dass bislang noch keine Waffen ins Gefängnis gelangt seien.