Die Kriegsparteien hätten nicht, wie es die Genfer Konvention und das humanitäre Völkerrecht vorschreiben würden, zwischen Zivilisten und zivilen Objekten einerseits und militärischen Zielen unterschieden, kritisierte DRK-Chef Rudolf Seiters gestern in Berlin.
Seit der Waffenruhe vom Montag kehrten nun "pro Stunde rund 2000 Flüchtlinge" in ihre zum Teil verheerend zerstörten Heimatorte zurück. Das Rote Kreuz habe daher jetzt mit den ersten Hilfslieferungen begonnen. Zwei Transporte mit jeweils 20 Tonnen dringend benötigter Babynahrung seien bereits in der libanesischen Hauptstadt Beirut angekommen und würden verteilt. Jetzt müsse die Bevölkerung mit dringend benötigten Medikamenten und Lebensmitteln versorgt werden.
Seiters berichtete gestern in seiner Jahresbilanz, dass das Deutsche Rote Kreuz 2005 mit 143 Millionen Euro so viele Spenden für die Auslandshilfe bekommen habe wie nie zuvor. Das sei ein absoluter Rekord. Im vergangenen Jahr seien 336 DRK-Mitarbeiter in 84 Ländern weltweit im Einsatz gewesen.
Allein 120,6 Millionen Euro des Gesamtspendenaufkommens 2005 seien für die Opfer des Tsunamis in Asien gespendet worden. Nach den ersten Nothilfe-Maßnahmen laufe der Wiederaufbau in den von der verheerenden Flut besonders betroffenen Ländern Sri Lanka und Indonesien auf Hochtouren, sagte Seiters. Derzeit errichte das DRK in Sri Lanka 3000 Häuser, renoviere oder baue vier Krankenhäuser, über 30 Gesundheitsstationen und 36 Schulen. Die Hälfte der Spendengelder sei bereits ausgegeben. Trotz des wieder aufgeflammten Bürgerkriegs im Norden von Sri Lanka werde das Rote Kreuz mit insgesamt 22 Mitarbeitern weiterarbeiten. ",Wir werden mindestens bis zum Jahr 2010 vor Ort bleiben", sagte der DRK-Präsident. Die zerstrittenen Parteien hätten dem DRK umfangreiche Sicherheitsgarantien für ihre Arbeit gegeben.
In Thailand habe das DRK eine Trinkwasseraufbereitungsanlage für 120 000 Menschen gespendet und einheimische Spezialisten darauf ausgebildet.
In Indonesien befänden sich 195 Häuser im Bau, 40 wurden bereits an ihre neuen Besitzer übergeben. 1500 Brunnen wurden gereinigt und saniert. Seiters erinnerte gestern auch an die vielen anderen Notlagen in der Welt, für die weitaus weniger Hilfsmittel zur Verfügung stünden. Es dürfe nicht vergessen werden, dass in Afrika, Osteuropa, Südamerika und anderen Regionen die Zustände für die Bevölkerung angesichts "schleichender Katastrophen" wie Aids und Malaria immer dramatischer würden. So sterbe in Afrika alle drei Sekunden ein Kind an Malaria.