Lange hält es in dem Zelt keiner aus. Politiker, Bundeswehrvertreter und auch die neugierige Medienschar suchen schnell wieder den Ausgang. Unerträglich heiß und stickig ist es im Inneren. Viel zu sehen gibt es ohnehin nicht: Acht einfache Klappbetten mit dünnen Schaumstoffmatratzen sind aufgestellt. Mehr Platz ist nicht. Kein Tisch, kein Stuhl. Unter dem Zeltdach hängen drei Leuchten, die bei Dunkelheit Licht spenden. Der hölzerne Boden schwingt, wenn sich jemand bewegt. Das erste eingerichtete Zelt dient der öffentlichen Demonstration: Hier ist alles spartanisch. Notunterkunft eben.

Schnelle Entscheidung

Akkurat ausgerichtet stehen die Zelte - jedes etwa 40 Quadratmeter groß - dort, wo noch bis 2007 Fallschirmjäger strammgestanden haben. Nach einem Amtshilfeersuchen vom Land Brandenburg an die Bundeswehr am 20. Juli ging am 3. August die offizielle Information beim Innenministerium ein, dass 63 Zelte zur Verfügung gestellt werden. Am 4. August fiel in Potsdam die Entscheidung, diese als Zeltstadt in Doberlug-Kirchhain aufstellen zu lassen. In der ehemaligen Lausitz-Kaserne wird ohnehin gerade unter Hochdruck eine Außenstelle der Zentralen Ausländerbehörde zur Erstaufnahme von Flüchtlingen hergerichtet. Aber erst zum Jahresende werden in diese festen Unterkünfte die ersten Menschen einziehen können.

Die Zeltstadt hingegen ist gestern offiziell an das Land Brandenburg übergeben worden. Seit Donnerstag vor einer Woche hatte ein Zug der 6. Kompanie des Spezialpionierbataillons 164 Husum die Notunterkünfte in Windeseile errichtet. Das Beelitzer Logistikbataillon hatte die Zelte aus dem zentralen Lager in Schleswig-Holstein geholt. Jeweils sechs eingespielte Spezialpioniere brauchen anderthalb bis eine knappe Stunde, bis ein Zelt steht. Selbst am Wochenende wurde gearbeitet - ungeachtet der momentanen Hitzewelle.

Sehr willkommen war da am Dienstag zum abschließenden Grillabend eine anerkennende Geste der Stadt Doberlug-Kirchhain. Der CDU-Stadtverband spendierte eine passende Erfrischung. Und die Soldaten freuten sich über süße Schokoladen-Grüße vom Bürgermeister. Das hellte die müden Gesichter für Sekunden auf.

Oberst Peter Arendt, Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg, vermeldet am folgenden Tag: "Amtshilfeersuchen ausgeführt!" Die Soldaten vom Aufbauteam lädt er zu einem Besuch nach Potsdam ein.

"Stadtrundgang" mit gutem Rat

Nach der symbolischen Schlüsselübergabe fordert der Brandenburger Innenstaatssekretär Matthias Kahl zu einem ersten "Stadtrundgang" auf. Oberleutnant Mathias Kist aus Husum führt Politiker und Journalisten durch die aus Brandschutzgründen fünf Meter breiten Schluchten zwischen den Zelten. Und er rät eindringlich: "Achten Sie bei der weiteren Erschließung unbedingt darauf, Betreuungsbereiche zu schaffen. Diese Zelte sind nur Ruhezonen."

Obwohl noch nicht bezugsfertig, verschafft diese dritte Zeltstadt - zwei stehen bereits in Eisenhüttenstadt - dem Land Brandenburg Luft bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms. "Bis Ende Juli waren 9100 Asylbewerber im Land gemeldet. Das entspricht der ursprünglichen Prognose für das ganze Jahr", sagt der Staatssekretär. Monatlich kommen derzeit etwa 2000 Flüchtlinge ins Land. Mindestens 14 000 - Kahl glaubt eher an 18 000 - werden es zum Jahresende sein. Die 500 zusätzlichen Plätze in Doberlug-Kirchhain seien da eine Notlösung, wenn auch keine gute, so Kahl. "Aber bei der schwierigen Situation in Europa haben wir keine andere Wahl." Es sei kein "großer Tag der Freude, aber der Erleichterung für ihn", versichert er. Erstmals sei das Land Brandenburg "vor die Lage gebracht".

Jetzt müssen noch die notwendigen infrastrukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Planung dafür hat die Bundeswehr mit an die Hand gegeben. Zu klären ist die Frage des Betreibers. Und bevor nicht Wasser, Abwasser, Sanitärcontainer, Versorgung und Betreuung geregelt seien, zieht in die Zeltstadt keiner ein, wird versichert. Kahl ist optimistisch: "Obwohl sie beheizbar sind, hoffen wir, dass wir die Zeltstädte bis zur Heizperiode mit festen Unterkünften ablösen können." Er verspricht, die von der Erstaufnahme betroffenen Bürgermeister und Landräte mit regelmäßigen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Ehrenamtliche Hilfe wünsche er sich vor allem dahingehend, für Akzeptanz zu sorgen, den Flüchtlingen die Stadt zu zeigen und das alltägliche Leben zu erleichtern.

Seit Freitag wird das Gelände rund um die Uhr bewacht. Der Auftrag ging an die City Schutz GmbH aus Sachsen-Anhalt eigentlich zum 1. Dezember, sagt Lars Resenberger, Leiter Marketing/Vertrieb. Doch auch sie hätten sich ad hoc den Ereignissen anpassen müssen. www.lr-online.de/bilder