Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) ist guter Dinge. „Nicht, weil wir jetzt reich sind“ , sagt er. Schließlich würde fast der ganze Verkaufserlös von 1,74 Milliarden Euro für die 48 000 Wohnungen zum Ablösen sämtlicher Schulden der Stadt und der Woba draufgehen. Nein, er sei deshalb so gut gelaunt, weil Dresden dank des Fortress-Geldsegens künftig finanziell ohne weitere Kredite und auch ohne Bundeszuschüsse aus dem Solidarpakt wird auskommen können.
Die Kritik des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen an einer nun wohnungslos gewordenen Stadt prallt an Vorjohann ab. „Die Wohnungen bleiben doch in unserer Stadt.“ Und Fortress werde der liebevollste Vermieter sein, den man sich nur denken könne - eben weil er profitorientiert sei und jeden Mieter halten wolle.
In Dresden stehen zwölf Prozent der Wohnungen leer, auch wenn die Stadt zunehmend mehr Arbeitsplätze bietet und immer mehr Menschen anzieht. Vorjohann glaubt auch nicht, dass künftig finanzschwache Mieter wie etwa Arbeitslosengeld-II-Empfänger aus ihren Wohnungen herausgedrängt werden. „Welcher Besserverdiener sollte denn in die leer gezogene Plattenbauwohnung nachziehen?“ , fragt er. Plattenbauten würden 70 Prozent des Woba-Wohnungsbestandes ausmachen.

Wirtschaftliche Potenz fehlt
Ludwig Burghardt, Vorstand im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), ist sicher: „Den Verkauf eines kommunalen Wohnungsunternehmens wird es in Brandenburg nicht geben.“ Dazu fehle es brandenburgischen Städten an der „wirtschaftlichen Potenz“ einer Metropole wie Dresden. Auf die aber würden Investoren achten, weil sie das Vermietungsgeschäft begünstigen, so Burghardt.
Der BBU-Vorstand glaubt nicht, dass Dresden aufgrund des Besitzerwechsels soziale Probleme bekommen wird. Dabei führt er dieselben Gründe an wie Finanzbürgermeister Vorjohann. Langfristig jedoch könnte die Stadt diesen Schritt bereuen: „Immerhin hat sie ein wichtiges Instrument, um Wohnungspolitik zu steuern, aus der Hand gegeben.“
Dr. Torsten Kunze ist Chef des größten Brandenburger Wohnungsunternehmens, der kommunalen Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) mit rund 21 000 Wohnungen. Er sieht den Dresdner Woba-Verkauf an einen knallhart kapitalorientierten US-Investor kritisch: „Die machen sich doch um soziale Belange keine Gedanken mehr.“ Dabei kann Kunze auch die von Fortress unterzeichnete Dresdner Sozial-Charta nicht beeindrucken, in der Mietern ab 60 Jahren und Schwerbehinderten ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt wird, preistreibende Luxussanierungen verboten und Mieterhöhungen eingeschränkt sind, außerdem der Stadt für 20 Jahre das Belegungsrecht von 8000 Wohnungen eingeräumt wird.

Sozialer Gedanke in der Satzung
Wie Burghardt hält auch Kunze den Verkauf eines Unternehmens wie der GWC an einen US-Investor für undenkbar: „Wohnungsgesellschaften in einer schrumpfenden Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit und immer weniger Bevölkerung sind für die nicht interessant.“ Kunzes Kollege Arved Hartlich von der Cottbuser Wohnungsgenossenschaft (GWG) ist der gleichen Meinung - und erleichtert, dass eine Genossenschaft, die von den Mietern geführt wird und den sozialen Gedanken in ihrer Satzung formuliert hat, nicht so einfach verkauft werden kann. Hartlich: „Gerade in Zeiten, in denen mit großen Wohnungsbeständen spekuliert wird, sieht man, was eine Genossenschaft wert ist.“