Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) verwies in einer Ansprache darauf, dass der Zweite Weltkrieg von den Nationalsozialisten ausgegangen sei. Es sei deswegen unerträglich, dass Neonazis das Gedenken für ihre Zwecke missbrauchten, sagte sie angesichts der bevorstehenden Aufmärsche von Rechtsextremisten.Auch Vertreter der jüdischen Gemeinde nahmen nach ihrer Absage im vergangenen Jahr wieder an dem Gedenkakt teil. Aufgrund eines geänderten Ablaufs trafen sie nicht mehr unmittelbar mit den erneut zahlreich anwesenden Rechtsextremisten zusammen. Der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, rief in einem Gottesdienst mit Bundeswehrangehörigen zum Kampf gegen Armut auf. Diese sei meist die Ursache für Kriege und Konflikte.Zum Gedenktag der Zerstörung ihrer Stadt erinnern die Dresdner jährlich mit zahlreichen Veranstaltungen bis in den späten Abend an die Bombardierung. Von 21.45 bis 22 Uhr läuten die Glocken aller Dresdner Kirchen. Sie erinnern an die erste Angriffswelle der Bombenflugzeuge. Für diesen Freitagabend war außerdem zum Baustart der Gedenkstätte Busmannkapelle in der Innenstadt eingeladen worden. Sie soll am Ort der im Krieg schwer beschädigten und später auf SED-Geheiß endgültig zerstörten Sophienkirche entstehen.Bei einer Gedenkstunde vor der Dresdner Frauenkirche sagte der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, dass Versöhnung eine Voraussetzung für dauerhaften Frieden sei. "Das Geschehen zu beschweigen, Unrecht und Schuld zu verdrängen, birgt die Gefahr neuer Konflikte und Konfrontationen in sich", betonte er. Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl erinnerte ebenfalls an der Frauenkirche auch an andere schwer zerstörte Städte wie Warschau und Rotterdam sowie an den millionenfachen Mord an Juden.Die Dresdner versammelten sich außerdem zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Kathedrale. Dort kritisierte der frühere Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums im britischen Coventry, Paul Oestreicher, dass vor allem reiche Länder hohe Geldbeträge für die Rüstung verschwendeten. "All diese Gewalt, all dieses Töten stellt eine Absage an die Vernunft dar", betonte er. Zudem warnte er davor, Neonazis als "Feinde der Menschlichkeit" nur zu verteufeln anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. epd/ig