Die erste mit Stiefmütterchen dekorierte Toilette wurde Anfang April auf dem Postplatz neben einem Schild platziert: "Scheiße gebaut - Stadt versaut!" Auch anderswo in Dresden drückte sich später der Unmut über immer mehr zugepflasterte Plätze ohne Blumen und Bäume so aus. Inzwischen ist das "Protest-Klo" zum Souvenir avanciert. Die Dresdner Firma Catapult hat 50 Mini-Klos mit einem Gottesauge bepflanzt und offeriert sie nun als spezielles Dresden-Andenken. "Die ersten sind schon weg", berichtete Catapult-Chef Hendrik M. Dietrich am Dienstag. "Dieses Beschwerde-Sanitärmöbel ist Stadtgespräch und ein Sinnbild für die fichelanten Dresdner." Fichelant ist ein spezieller sächsischer Ausdruck und lässt sich am besten mit clever übersetzen. Pro Klo sind fünf Euro fällig, der Erlös kommt einem Kinder- und Jugendzirkus zugute. Das kleine Toilettenbecken aus Plaste ist 13 Zentimeter hoch, sieben Zentimeter breit und zweckentfremdet. Ursprünglich dient es als Tischstaubsauger - natürlich kann es nach der Blütezeit als Souvenir wieder solch profanen Zwecken dienen. Voraussetzung ist nur eine Batterie im Spülkasten. Inzwischen wurden auch andere subversive Aktionen zur Begrünung Dresdens bekannt. So streuen Bürger nachts Blumensamen aus. Selbst die CDU wartet nicht mehr untätig auf einen Frühling in der Steinwüste. Pünktlich im Kommunalwahlkampf wird nun Geld locker gemacht, um mehr Grün im Grau zu schaffen. dpa/mb