Museumschef Gisbert Porstmann spricht von einem „kafkaesken“ Vorgang: Nach mehr als 50 Jahren muss das Kraszewski-Museum in Dresden, eine Erinnerungsstätte für den polnischen Literaten Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887), fast alle seine Exponate an Polen zurückgeben. Nur eine Pistole, ein Säbel und ein kleiner Tisch bleiben zurück. Grundlage dafür ist ein fast vergessener polnischer Parlamentsbeschluss von 2001.

Demnach dürfen Kulturgüter, die älter als 50 Jahre sind, nur maximal fünf Jahre als Leihgaben im Ausland verbleiben. Offenkundig war das Gesetz, dessen Ausführungsbestimmungen 2008 herauskamen, auch in Polen selbst in Vergessenheit geraten – bis ein Denkmalschützer es entdeckte und seine Landsleute daran erinnerte. Im September erhielt das Dresdner Museum die Aufforderung, die 160 aus polnischem Besitz stammenden Dauerleihgaben einzupacken. Ab 19. Dezember rollen die Lastkraftwagen vor. Dann endet ein Kapitel deutsch-polnischer Kultur – zumindest in bisheriger Form. Der Direktor der Städtischen Museen Dresden, Gisbert Porstmann, spricht von einem „Lehrstück der Staatsbürokratie“.

Selbst die polnischen Kollegen könnten das nicht begreifen. Das Literaturmuseum in Warschau, das einst Konzeption und Exponate für das Haus in Dresden lieferte, habe das Gesetz zu umgehen versucht – erfolglos. Von der Regelung seien auch Museen in Rapperswil (Schweiz) und in Istanbul betroffen, hieß es.

Die enge Bindung Kraszewskis an Dresden veranlasste das Warschauer Literaturmuseum dazu, eine Ausstellung am historischen Wohnort des Schriftstellers zusammenzustellen. Nach dem Motto „klein, aber fein“ war es reichlich fünf Jahrzehnte lang ein lebendiges Beispiel für den deutsch-polnischen Kulturaustausch. Etwa 4000 Gäste pro Jahr zählte das Museum zuletzt. Viele Eintragungen im Besucherbuch sind in polnischer Sprache abgefasst.

Dieses Kapitel geht nun zu Ende. Das Museum möchte die Rückreise der Exponate jedoch für eine Neuausrichtung nutzen. Künftig soll polnische Kunst und Kultur umfassender präsentiert werden. Leiterin Joanna Magacz nennt Themen wie Film, Fotografie, Mode, Design, Grafik oder Baukunst.

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Zum ThemaJózef Ignacy Kraszewski hatte sich schon als Student der polnischen Unabhängigkeitsbewegung angeschlossen. Als 1863 der Januaraufstand gegen die russische Fremdherrschaft scheiterte, kam er nach Dresden und blieb 21 Jahre. Mit seinen sechs Sachsen-Romanen schuf er ein farbenprächtiges Zeitgemälde Kursachsens und Polens im 18. Jahrhundert. Insgesamt hinterließ er etwa 240 Romane und Erzählungen.