Kalter Wind fegt durch den nach drei Seiten noch immer offenen Raum. Eigentlich sollten längst die ersten Kongress-Gäste durch das neue Haus flanieren. Doch immer wieder hatte es Bauverzug gegeben, Bombenfunde, Hochwasser, Bauarbeiterstreik. Die Flutkatastrophe des vergangenen Jahres machte Umplanungen erforderlich. Die technischen Einrichtungen mussten höher gelegt werden, eine mobile Wand soll das Bauwerk künftig vor Hochwasser schützen.
Das neue Kongress-Zentrum gilt mittlerweile als Lichtblick am Dresdner Tourismus-Himmel. Erst vor wenigen Tagen musste die Tourismus-Chefin der Landeshauptstadt, Yvonne Kubitza, traurige Zahlen bekannt geben. Mit einem Minus von 15,8 Prozent bei den Übernachtungen habe es nach Jahren ständiger Steigerungen einen herben Rückschlag gegeben, räumte Kubitza ein. Die Besucher sind weggeblieben.
Kubitza nennt drei Faktoren als Gründe für diesen Einbruch: die Auswirkungen des Terroranschlags auf das New Yorker World Trade Center, Konsumzurückhaltung infolge der Euro-Einführung und schließlich die Flutkatastrophe im August vergangenen Jahres. Durch sie sei die komplette herbstliche Hochsaison buchstäblich ins Wasser gefallen. Da tröstet es wenig, dass andere deutsche Großstädte ebenfalls mit Besucherrückgang zu kämpfen haben. Auch im laufenden Jahr rechnet Kubitza mit einer „schwierigen Periode“ , insbesondere dann, wenn es zu einem Irak-Krieg kommen sollte. Die USA, die Schweiz und Japan stellten im vergangenen Jahr die größten ausländischen Besuchergruppen. Einen Boykott amerikanischer Touristen wegen der ablehnenden Haltung Deutschlands zum Irak-Krieg hat Kubitza allerdings nicht feststellen können.
Erst mit einem Blick auf 2004 wird die Dresdner Tourismus-Chefin wieder optimistischer. Da werde der erste Teil der königlich-sächsischen Juwelenkammer, des „Grünen Gewölbes“ , im Residenzschloss eröffnet, das Deutsche Hygiene-Museum werde wieder weitgehend in neuem Glanz erstrahlen und das Kongress-Zentrum könne dann die ersten Besucher empfangen.
Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hofft, es werde dann zu einer kräftigen Steigerung bei den Geschäftsreisen kommen.