Die barocke Landeshauptstadt wuchert jetzt mit ihren Pfunden und feiert das 450-jährige Jubiläum der Staatlichen Kunstsammlungen mit großen Ausstellungen und der Wiedereröffnung des Albertinums. Als Kurfürst August von Sachsen anno 1560 im Dachgeschoss des Dresdner Residenzschlosses die "Kurfürstliche Kunstkammer” anlegte, ahnte wohl niemand, dass er damit den Grundstein legen würde für eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Europa. Jetzt, 450 Jahre später, können die "Staatlichen Kunstsammlungen Dresden” (SKD) ihr Jubiläum feiern.Nach dem gelungenen Auftakt des Veranstaltungsreigens mit der Neueröffnung der "Türckischen Cammer” Anfang März beginnt am 18. April die zentrale Ausstellung "Zukunft seit 1560” im Residenzschloss. Die Schau spannt einen Bogen über die breite Palette der Interessen, Visionen und Sammelleidenschaften der einstigen sächsischen Herrscher. Dabei geht es nicht nur um die bildende Kunst, sondern auch um die Geschichte von Handwerk, Naturwissenschaft und das museale Sammeln der Wettiner. Neben Gemälden und Skulpturen werden Werkzeuge und wissenschaftliche Instrumente, Waffen und Rüstungen, Medaillen und Kostüme gezeigt. Die Landesbibliothek sowie die Staatlichen Naturhistorischen und Ethnografischen Sammlungen steuern weitere Exponate bei. Am Vorabend der Ausstellungseröffnung ist ein großer Festakt im Schloss geplant, am 18. April dann ein Konzert in der Semperoper. Das wohl bedeutendste Datum des Jahres aber wird im Juni die Wiedereröffnung des Albertinums an der Brühlschen Terrasse sein - immerhin unter Schirmherrschaft von EU-Präsident José Manuel Barroso. Dresdens zentrales Kunstmuseum war bei der Augustflut 2002 arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Seit 2006 wurde nun über dem Innenhof eine Art "schwebendes" Depot in zwölf Meter Höhe errichtet, in dem einzigartige Kulturgüter des Freistaates eine hochwassersichere Bleibe erhalten. 45 Millionen Euro investiert2400 Quadratmeter sind für Depots und Werkstätten neu entstanden, 45 Millionen Euro investiert das Land in die 2700 Tonnen schwere "Arche für die Kunst” und in die Sanierung des Altgebäudes. Ins Jubeljahr gehören aber noch etliche andere Publikumsmagneten. So läuft derzeit in der Kunsthalle eine Sonderschau zur Dresdner Sportwagenlegende "Melkus” unter dem Titel "Die ideale Linie”. Die Erinnerung an die Flügeltürer von DDR-Rennfahrer Heinz Melkus ist bis 16. Mai zu sehen. Am 8. Mai eröffnet die Ausstellung "Triumph der blauen Schwerter”. Sie zeigt bis Ende August Meißener Porzellan für Adel und Bürgertum zwischen 1710 und 1815 und würdigt das 300-jährige Bestehen der Porzellanmanufaktur. Dass die Schau im Japanischen Palais zu sehen ist, hat eine historische Dimension: Das Ausstellungshaus war einst als barockes Porzellanschloss vorgesehen, aber nie so genutzt worden. Auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) musste den Plan kürzlich aus Kostengründen verschieben. Sven Heitkamp