Die Wählervereinigung "Gemeinsam für Dresden" hat am gestrigen Mittwoch die sächsische Wissenschaftsministerin als Kandidatin für die Wahl am 7. Juni vorgestellt. Sie fühle sich "sehr geehrt durch den Vorschlag aus der Mitte der Dresdner Bürgerschaft", sagte Eva-Maria Stange dort.

Die 57-jährige SPD-Frau ist damit die dritte bekannte Kandidatin im Rennen um das Dresdner Rathaus. Wenn sie dabei ihren Kabinettskollegen, Innenminister Markus Ulbig (CDU) und den amtierenden Ersten Bürgermeister Dresdens, Dirk Hilbert (FDP) ausstechen kann, wäre der Machtwechsel in Sachsens Landeshauptstadt geschafft.

Die SPD-Politikerin tritt damit gegen Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Innenminister Markus Ulbig (CDU) an. Letzterer hatte seine Kandidatur im November erklärt - an dem Tag, als OB Helma Orosz ihren Rücktritt bekannt gab. Deren Amtszeit läuft Ende Februar aus. Damit beendet die 61-jährige Christdemokratin ihre politische Karriere, in der sie zeitweise Oberbürgermeisterin von Weißwasser und sächsische Sozialministerin war.

Doch ob die CDU am 7. Juni ihre letzte sächsische Metropole - und überhaupt die letzte schwarz regierte Landeshauptstadt der Republik - verteidigen kann, steht infrage. Orosz‘ Stuhl ist seit der Kommunalwahl im März 2014 ungemütlicher geworden. Seitdem schlägt sich die Rathausspitze mit einer Stadtratsmehrheit aus Linken, SPD, Grünen und Piraten herum. In diesem rauen Klima war allein Orosz Garantin für den schwarzen Machterhalt.

Und dann sind da noch die Pegida-Demos, die das sonst so idyllische Elbflorenz seit Wochen so unerfreulich in den Nachrichten halten. Die OB fand scharfe Worte, erklärte im Stadtrat, dass Dresden ohne die vielen Zuzügler als "finstere Provinz" dastehe. Das gefiel nicht allen in der Dresdner CDU. Denn dort findet man seit Wochen mit Unbehagen die eigenen Parteigänger auf den Demos der patriotischen Islamfeinde wieder.

Indes, auch der CDU-Kandidat Ulbig hat als Innenminister seine Meinung zu den Pegidisten bereits deutlich ausgesprochen. "Rattenfänger" seien da am Werk, schätzte Ulbig Ende November ein, einige von ihnen polizeibekannt. Gemeint waren die Organisatoren der Demo, doch es kam an als Pauschalurteil über alle Demonstranten. "Damit hat sich Ulbig keinen Gefallen getan", sagt ein CDU-Mann, der die Dresden-Wahl nun in Gefahr sieht. "Diese vorschnelle Abgrenzung bringt uns in Dresden keinen einzigen Wähler dazu." Noch ist zudem nicht ausgeschlossen, dass es die AfD zu einem eigenen Kandidaten bringt - womöglich im Bunde mit den Pegida-Köpfen.

Guter Hoffnung präsentierte sich dagegen gestern das Oppositionsbündnis. Man habe eine Person gesucht, "die einerseits den schwierigen Anforderungen des Amtes gewachsen ist und andererseits geeignet ist, dies überparteilich auszuüben", so erklärte Karl-Siegbert Rehberg, Initiator der Wählerinitiative. "Frau Stange ist dafür genau die richtige Frau." Einen neuen Politik-Stil soll die promovierte Lehrerin für Mathe und Physik einführen.

Der FDP-Mann Hilbert will es als unabhängiger Kandidat schaffen. "Vom Parteibuch her kann man sich natürlich einen besseren Aufwind vorstellen, keine Frage", sagte Hilbert jüngst im Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten. Den "härteren Gegner" von allen, räumte er dort ein, hätte er im gemeinsamen Kandidaten von Linken, SPD und Grünen. Nun also Eva-Maria Stange.