Für Ulrich Lagemann und die Mitglieder der Bürgerinitiativen zum Erhalt der Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz liegt ein Jahr ohne zählbare Ergebnisse auf dem Tisch. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 haben das Land Brandenburg und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg die drei Lausitzer Halte tagsüber gestrichen. Weil die Bahn zwischen Berlin und Dresden baut und für die Durchfahrt des RE 2 in der Hauptstadt vier Minuten eingespart werden mussten.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider stellte damals in Aussicht, dass es eine vorübergehende Einschränkung für die Zeit der Bauarbeiten von 24 Monaten sein werde. Zudem brachte die SPD-Politikerin eine Flügelung der Regionalbahn RB 24 ins Gespräch. Das heißt: Die RB 24, die zurzeit zwischen Senftenberg und Berlin verkehrt, sollte am Bahnhof Lübbenau geteilt werden - ein Zug nach Senftenberg und einer nach Cottbus. Damit wären die abgekoppelten Bahnhalte komplett wieder erreichbar.

Für 2017 ist diese Ersatzvariante aber nicht mehr vorgesehen. Denn in einer Antwort des Ministeriums an die Landtagsabgeordnete Anita Tack (Linke) wird vielmehr darauf verwiesen, dass "der jetzt stabilisierte Fahrplan der Linie RE 2 in 2017 fortgeführt wird". Die Ministerin erklärt zudem, dass mit der Bestellung des Landes für das Fahrplanjahr 2017 die Verkehrsunternehmen beauftragt worden seien, "in Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturbetreiber eine ganztägige Bedienung mit Regionalzügen zu prüfen" .

Den Radduscher Ulrich Lagemann, der seit einem Jahr versucht, Politik und Bahn von Alternativen für den Anschluss der drei Haltepunkte zu überzeugen, bringen derartige Beschwichtigungen in Rage. "Nicht einer unserer Vorschläge findet Beachtung. Nicht einmal samstags und sonntags sind zusätzliche Halte für Touristen drin", zeigt er sich gegenüber der RUNDSCHAU enttäuscht. Die Ministerin habe sich eine Flügelvariante mit der RB 24 einreden lassen, die es nie geben werde. "Weil noch ein Zug gar nicht auf das eine Gleis zwischen Lübbenau und Cottbus passt", sagt Lagemann und fügt hinzu: "Wenn es hier vorwärtsgehen soll, müssen politische Denkverbote beseitigt werden."

Der Fahrgastverband Pro Bahn wird noch deutlicher: "Angekündigte Veränderungen beim RE 2 - alles Schall und Rauch", sagt Landeschef Dieter Doege. Die Lausitz werde trotz deutlich höherer Ein- und Auspendlerzahlen der IC-Stadt Wittenberge im Nordwesten der RE 2-Strecke geopfert. Doege: "Mehr Benachteiligung ist nur schwer vorstellbar."

Zum Thema:
Das Land Brandenburg hat für Nachverhandlungen mit dem Bund zum Bundesverkehrswegeplan bis 2030 ein Pfund in die Hand bekommen. Deshalb hat Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider 2,4 Millionen Euro bewilligt, um mit der Bahn fertige Planungen für das zweite Gleis von Lübbenau bis Cottbus bis 2018 vorzulegen. Ein Ausbau bis 2023 wäre danach möglich.