Der Regionalexpress (RE) 2 ist eine lukrative Strecke. Im Stundentakt verkehrt er zwischen Cottbus, Berlin, Wittenberge und Wismar. Ob früh, mittags oder abends, Tausende Reisende und vor allem Pendler aus der Lausitz bis nach Görlitz und Zittau nutzen die Anbindung an die Hauptstadt. "Dieser Zug fährt immer mit Verspätung", schimpft am Mittwochmittag eine junge Cottbuserin, als der Zug statt um 11.59 Uhr genau 25 Minuten später einrollt. "Es ist kein Verlass."

Pendler: Schon alles mitgemacht

Am Abend kommt der RE 2 auf die Minute genau um 17.59 Uhr an. Der Bahnsteig 2 ist brechend voll. Umsteiger Richtung Sachsen haben fünf Minuten Zeit, um auf dem Nachbarbahnsteig in den OE 65 zu gelangen. "Das ist bei Weitem nicht immer so", sagt ein Mittfünfziger, der seit Jahren auf diese Verbindung angewiesen ist. "Ich habe schon alles auf dieser Strecke mitgemacht. Und am Montag dachte ich, es geht auch mit dem neuen Fahrplan so weiter wie bisher."

Mit einem Fahrzeugschaden und einer halben Stunde Verspätung von Cottbus (ab 6.14 Uhr) bis Berlin-Zoo hatte der Winterfahrplan-Auftakt für Pendler begonnen. Dabei war von Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und Politik versprochen worden, dass mit der Schließung dreier Lausitzer Bahnhalte (tagsüber) alles besser werde.

Die Durchfahrt in Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz sollte jene vier Minuten herausholen, die der RE 2 ab dem Winterfahrplan länger durch Berlin benötigt. Stabilität in Sachen Pünktlichkeit war angekündigt. "Davon ist zumindest in der ersten Woche nichts zu spüren", schätzt der Brandenburger Landeschef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Dieter Doege, ein. Ein Fahrzeugschaden sei eher höhere Gewalt. "Aber für den RE 2 gilt weiter: Verspätung, Verspätung, Verspätung." Doege habe mehrfach darauf hingewiesen, dass das Problem dieser Linie im Norden liege.

Die RE 2-Züge würden aufgrund des Vorrangs für den (auch verspäteten) Fernverkehr und zu kurzer Umlaufzeiten (der Bereitstellung des ankommenden Odeg-Zuges für die Rückfahrt) in Wittenberge bereits mit 20-minütiger Verspätung starten. "Wenn der Zug am Ostbahnhof noch zehn Minuten hinter dem Fahrplan liegt, ist das nicht mehr aufzuholen", erläutert Doege. Der fehlende Zeitpuffer sei auch mit drei stillgelegten Haltepunkten nicht zu kompensieren.

Das neue Bahn-Konzept will an Eisenbahnknoten künftig mehr dieser Puffer einbauen. Das kann Dieter Doege nur begrüßen. "Ein langsamerer, aber verlässlicher Fahrplan ist auf jeden Fall der bessere Fahrplan", betont er. Der Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) Arnulf Schuchmann, dem Betreiber der RE 2-Linie, fügt hinzu: "Ich bin die ständige Kritik auch leid und will unseren Kunden eine bessere Leistung anbieten." Der Odeg-Chef hatte stets darauf verwiesen, dass der vom VBB bisher vorgelegte Fahrplan nicht einhaltbar war. In einer IHK-Studie (siehe Infobox) heißt es dazu: "Der RE 2 fährt am schnellsten, hat die geringsten Haltezeiten und ist trotzdem am unpünktlichsten."

Nur ein kleiner Trost

Eine seriöse Analyse zum veränderten Fahrplan mit der Teilschließung dreier Lausitz-Halte kündigt Schuchmann gegenüber der RUNDSCHAU für Mitte Januar an. "Eher kann es keine belastbaren Zahlen zur neuen Pünktlichkeit des RE 2 geben", betont der Odeg-Geschäftsführer. Für die IHK Cottbus ist der jetzt um zwei Minuten schnellere RE 2 nach Berlin nur ein kleiner Trost. Ob sich der Wegfall von drei Bahnhalten am Tage auf dieser Strecke tatsächlich in mehr Pünktlichkeit niederschlage, das müsse sich erst noch erweisen, erklärt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger.

Eine junge Frau, die mit dem super-pünktlichen RE 2 in Cottbus einrollt, lässt sich von Fragen nach Verspätungen auf dieser Strecke nicht aus der Ruhe bringen. "Wenn ich im Stau auf der Autobahn stehe, brauche ich auch mehr Zeit." Zudem, betont sie, werde sich die Situation mit dem Bau des zweiten Gleises zwischen Lübbenau und Cottbus bald verbessern.

"Bald?" Selbst, wenn die Bahn dieses Gleis als vordringlich einstufen sollte, wofür es gegenüber der Politik offenbar Hinweise gibt, dürfte mehr als ein Jahrzehnt bis zur Zweigleisigkeit vergehen. Bis dahin braucht es intelligente Zwischenlösungen, wozu die Schließung von Haltepunkten nicht gehören.

Zum Thema:
Die Studie der IHK Cottbus "Zurück zur Pünktlichkeit" ist fast zwei Jahre alt. Daran ist nachgewiesen worden, dass der RE 2-Fahrplan auf der mit 389 Kilometern längsten Regionalexpress-Strecke Berlin-Brandenburgs entzerrt werden muss. Er hat ein viel zu enges Korsett. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) hatte in Qualitätseinschätzungen ihrer Linien stets darauf hingewiesen, dass der RE 2 (Cottbus - Wismar) am schnellsten fährt, die geringsten Haltezeiten hat und trotzdem am unpünktlichsten ist. Seit Jahren wird in Erwägung gezogen, die Linie zu teilen, da Unwägbarkeiten mit dem Fernverkehr im Norden, das Nadelöhr Bahnhof KW und die Eingleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus mehr Pünktlichkeit unerreichbar erscheinen lassen. Stattdessen ist mit dem Winterfahrplan das Aus für drei Lausitzer Haltepunkte gekommen.