Vorbildlich verstauen sie die Ranzen vor ihren Füßen und schnallen sich an.
Die ABC-Schützen lernen, richtig Bus zu fahren. Sie gehören zu den 5000 brandenburgischen Kindern, die die "Busschule" besuchen.
"In jedem Jahr verzeichnen wir in Brandenburg mehr als 60 000 Unfälle im Zusammenhang mit der Schule", berichtet die Sprecherin der Unfallkasse Brandenburg, Carola Nawrath. Jeder zehnte dieser Unfälle passiert auf dem Schulweg. Um diese Zahlen zu senken, hat die Unfallkasse die "Busschule" ins Leben gerufen. "Gerade auf dem Weg zur Schule und wieder nach Hause kommt es immer wieder zu dramatischen Unfällen, teilweise mit tödlichem Ausgang", schildert Nawrath.

Erfahrungen anderer Länder
Die "Busschule" greift auf Erfahrungen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zurück. Den Anstoß dazu, das Projekt nach Brandenburg zu holen, gab 1999 der schwere Busunfall in Altlandsberg. Vier Schüler und der Busfahrer starben, als am 30. November 1994 das mit 26 Kindern besetzte Fahrzeug auf schnurgerader Strecke gegen einen Alleebaum prallte. Die Ursache für das Unglück ist noch immer nicht geklärt.
Allein in der uckermärkischen Region Schwedt-Anger münde fahren täglich 3800 Kinder und Jugendliche mit dem Bus zur Schule und wieder nach Hause. Sie machen mittlerweile den größten Anteil an Fahrgästen aus. In der Spitzenzeit gegen 6.30 Uhr setzen die Schwedter Verkehrsbetriebe bis zu 72 Busse ein. Allerdings gibt es nur in 14 dieser Fahrzeuge die nach dem Unfall von Altlandsberg vehement geforderten Sicherheitsgurte.
Was ohne diesen Gurt passieren kann, demonstriert der Teddy: Er sitzt auf dem gefährlichsten Platz, ganz hinten in der Mitte mit Blick auf den freien Gang. Anders als die ABC-Schützen der Brecht-Schule hat sich der Brummbär nicht angeschnallt. Die Busschul-Fahrt beginnt - und beim ersten Bremsen purzelt Meister Petz kopfüber durch den Gang.
Es folgt die nächste Demonstration: Der nagelneue Bus der Personenverkehrsgesellschaft Schwedt/Angermünde fährt vor den Augen der Kinder an die Haltestelle heran und zerschmettert dabei einen mit Wasser gefüllten Kanister.

Unterrichtsstunde in Bus
Dieser stand direkt an der Bordsteinkante, also dort, wo sonst die jungen Passagiere auf den Bus warten. "Viele Schüler beachten den Schwenkradius des Busses nicht, so dass es immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen kann", erklärt Waldemar Zahn, Bereichsleiter des Verkehrsunternehmens, das wie die Schulen, der Landkreis, das Schulamt und die Polizei zu den Partnern der Unfallkasse zählt. Die Erstklässler werden für den Bus-Kurs vom Schulhof abgeholt. Die Unterrichtsstunde absolvieren sie direkt im Bus. Der Busfahrer wird für diese Zeit zum Lehrer und zeigt seinen Schülern auch, wie sie geordnet ein- und aussteigen.
Im Pilot-Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der sich schon im zweiten Jahr an der "Busschule" beteiligt, sind sich Lehrer und Busfahrer einig: Das Drängeln, Schubsen und Schreien der Schüler in den Bussen habe deutlich nachgelassen. Die Kinder verhalten sich rücksichtsvoller und vorsichtiger.
An dem Projekt beteiligen sich derzeit die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Oberhavel, Uckermark, Barnim und Märkisch-Oderland. 2003 soll die Busschule dann landesweit angeboten werden.