Ausländerquote. Mit den Beispielen ihrer erfolgreichen Arbeit sollen die prämierten Schulen jetzt auch woanders vorbildhaft gute Schule machen - und vor allem nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler die Lehrer zu mehr pädagogischen Reformen anstacheln.
Nach dem Votum der Jury arbeitet die beste deutsche Grundschule in einem Ausländer- und Arbeiterviertel im dichtbebauten Dortmunder Norden. "Auch an einem nicht so privilegierten Standort kann man gute Schule machen", sagt die Leiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart. In ihrer mit 50 000 Euro prämierten Grundschule lernen Kinder aus 20 Nationen erfolgreich. 83 Prozent beträgt der Ausländeranteil. Es ist nicht die erste Auszeichnung für die städtische Grundschule Kleine Kielstraße. Bei Landeswettbewerben erhielt sie bereits vier Auszeichnungen. 1994 wurde sie als jüngste Grundschule Dortmunds in einem heute über hundert Jahre altem Schulbau gegründet. "Thema unserer ersten Lehrerkonferenz war: Was ist eine gute Schule für die Kinder, die hier aufwachsen„", erzählt die 54-Jährige Schulleiterin.
Das Besondere“ Schultebraucks-Burgkart nennt Schlagworte wie Kooperation im Kollegium, individuelle Förderung der Kinder oder intensive Elternarbeit. Die fängt bereits rund neun Monate vor der Einschulung an: Nach einem Test des Kindes erhalten die Eltern einen Förderbrief, mit Tipps zum spielerischen Lernen. "Wir raten etwa, wenn das Kind noch geringe Vorstellungen von Mengen hat, es öfter beim Tischdecken helfen zu lassen."
Monatlich trifft sich der Elternkreis. Dabei geht es um die Sprachentwicklung, Bedeutung des Vorlesens, oder Fernseh- und Computerkonsum.
In einem "Erziehungsvertrag" legen Eltern und Schule gemeinsam ihre Verpflichtungen fest. Zielvereinbarungen zwischen Schüler und Lehrer folgen. Für jedes Kind gibt es einen Förderplan. Konflikte werden im Klassenrat geklärt. "Am Ende verfügen fast alle Kinder über ein sicheres Repertoire an angemessenen Verhaltensweisen", sagt die Schulleiterein. Auch bei den vier anderen Preisträgern steht individuelle Förderung im Mittelpunkt. Man trage "Sorge dafür, dass niemand verloren geht und dass nicht durch die Herkunft über die Zukunft entschieden wird", heißt es im Jury-Votum zur Braunschweiger Schule Franzsches Feld. Die Offene Schule Kassel-Waldau und die Hamburger Max-Brauer-Schule gehören zu den älteren Gesamtschulgründungen aus den 70er- Jahren, die ihren Reformstatus über die Jahre hinweg immer wieder gegen Anfeind ungen aus der Ministerialbürokratie und aus der Politik verteidigen mussten. Die Schule in Jena hat nach der DDR-Wende das pädagogische Jenaplan-Reformkonzept aus den 20er-Jahren neu belebt und an heutigen Herausforderungen orientiert.