"Sollen Kultur, Tradition und Sprache einer der größten nationalen Minderheiten in Deutschland erhalten und weiterentwickelt werden, dann müssen neue und effektivere Wege gegangen werden", macht Domowina-Vorsitzender Jan Nuck klar.
Rund 90 Delegierte aus regionalen Verbänden und Vereinen wollen dafür am Wochenende auf der Hauptversammlung der Domowina in Kringelsdorf bei Weißwasser die Weichen stellen.

Knappe Kassen
Sie diskutieren dabei ein seit Wochen öffentlich diskutiertes Papier mit neuen Richtlinien, Terminen und Vorhaben unter anderem für Bildung und Sprache, Jugend und Kultur, Laien- und professionelle Arbeit, kündigt Domowina-Sprecherin Bärbel Felber an. Knappe Kassen und gleich bleibende Förderung der Sorben-Stiftung durch Bund und Land mit 8,1 Millionen Euro sowie der Ausgleich der Tarifsteigerungen setzen die Domowina als Interessenvertreterin der insgesamt 60 000 Sorben/Wenden in Sachsen und Brandenburg zunehmend unter Druck.
"Betroffen von den Sparmaßnahmen sind vor allem Projektarbeit und der professionelle künstlerische Bereich", sagt Nuck. Zudem seien Versäumnisse zu Tage getreten: Sorgten in DDR-Zeiten die "Tage der sorbischen Volkskultur" für Nachschub an Talenten aus den Schulen, geriet dies nach der Wende aus dem Blickfeld. "Sorbischsprachige Schulen müssen wieder zu Talente-Schmieden werden", fordert Nuck. Notwendig sei unter anderem die Heranbildung junger Leute, die in der Lage seien, zu komponieren.
So sei es falsch gewesen, die Klasse für Musikförderung am sorbischen Gymnasium Bautzen aufzulösen. Außerdem gebe es fast keine sorbischen Chorleiter mehr. Ein weiteres Handicap sei die Abwanderung junger Sorben in andere Bundesländer. "Wer nach der Ausbildung dort auch noch einen Arbeitsplatz erhält, bleibt oftmals in der Fremde", sagt Nuck. Sichtbar werde das an Kulturgruppen und Chören in der zweisprachigen Lausitz, wo diese Altersgruppe fehle. Abhilfe könnte nach Ansicht der Domowina ein Koordinator für Jugendarbeit schaffen.

Zweisprachigkeit als Chance
Von immenser Bedeutung ist die Bildung und Erziehung der jungen Generation. Dem stehe jedoch ein Mangel an sorbischsprachigen Lehrern an den Schulen in der Lausitz gegenüber. "Die Hälfte der Lehrer spricht nur deutsch", schildert Nuck die Situation, der im Herbst eine eigene Konferenz gewidmet sein soll.
Nuck sieht für die zweisprachige Lausitz durchaus gute Chancen, wenn sich noch mehr Sorben als bisher kulturell engagieren. "Außerdem müssen alle Formen gemeinsamer Arbeit gefördert werden, die der Partnerschaft von Deutschen und Sorben dienen." Schließlich leben Sorben/Wenden und Deutsche seit mehr als 1500 Jahren friedlich miteinander.
Der Dachverband der Sorben/Wenden hat rund 7330 Mitglieder. Als Dachorganisation gehören ihr 17 regionale und Fachverbände an sowie mehrere assoziierte Mitgliedsverbände in Tschechien, Polen. Australien und den USA.