Früher donnerten hier Flugzeuge über die Dächer und wühlten sich Panzer durch die Döberitzer Heide. Die Häuser, in denen heute junge Familien wohnen, dienten als Kasernen - erst dem preußischen Heer, dann der Wehrmacht und später der Roten Armee.
Über mehrere Kilometer bilden die Kasernenbauten den nördlichen Rand der B 5. Drei große Komplexe errichteten die Armeen, allen voran die Wehrmacht: Olympisches Dorf für die Spiele 1936, Kasernen und Gebäude für den Flughafen. Der Übungsplatz selbst ist dank der Heinz Sielmann Stiftung wieder eine intakte Heidelandschaft. Doch viele der einst dazugehörenden Bauten modern bis heute vor sich hin. Nur in kleinen Schritten kommt die Umgestaltung voran. Für das Olympische Dorf gab es lange kein tragfähiges Konzept. Seit diesem Jahr bemüht sich eine Stiftung der Deutschen Kreditbank (DKB) um die Sicherung und Erhaltung.
Der DKB gehört inzwischen das gesamte Kasernengelände, deren GbR Olympisches Dorf entwickelt das Areal. Neue Häuser wachsen auf den von Munition und Schutt beräumten Grundstücken. Doch gibt es noch einige militärische Hinterlassenschaften. Die Auffälligste ist die ehemalige Jägerleitstelle.
Das zwölf Meter hohe bunkerartige Gebäude entstand zwischen 1942 und 1943 am Nordrand des damaligen Flugplatzes Döberitz. Es war wichtiger Bestandteil der Luftabwehr des "Großdeutschen Reiches" der Nationalsozialisten. Von dort kommandierte der "Jagdfliegerführer Mitteldeutschland" die Jagdmaschinen, die die auf Berlin zusteuernden alliierten Bomber angriffen.
Fünf solcher übers Land verteilten "Gefechtsopernhäuser", wie sie im Wehrmachtsjargon hießen, leiteten die gesamte deutsche Jagdabwehr. Auf steil ansteigenden "Galerien" saßen Mitarbeiter diverser Befehlsstellen und koordinierten die Angriffe. Die "Bühne" bildete eine große Milchglasscheibe an der Stirnseite, auf der mit Symbolen und Lichtpunkten die Lage der einzelnen Fliegerverbände dargestellt war.
Von der Leitstelle Döberitz liefen Standleitungen zu den drei großen Flakbunkern im Berliner Stadtgebiet. Für den Döberitzer Bau ist die Bezeichnung "Bunker" allerdings nicht ganz zutreffend, hätte er doch nicht einmal einer kleinen Bombe standgehalten. Lediglich der Keller wurde mit Beton verstärkt und diente als Luftschutzbunker.
Nach dem Ende des Krieges fand die sowjetische Armee für das Gebäude eine zivilere Verwendung: Der große Saal wurde zum Kino umgebaut, später aber vor allem als Kartoffel- und Rübenlager genutzt. Seit dem Abzug 1992 steht der Bau leer. Am Montag soll er endgültig verschwinden. Dann rückt der Abrisstrupp an.