Die Flutkatastrophe des Sommers hatte ihre Kindertagesstätte im sächsischen Döbeln so schwer beschädigt, dass die Dreijährige zusammen mit 50 anderen Kindern in einem provisorischen Container-Hort spielen muss. Mehr als einen Meter hoch hatte das schlammige Wasser der reißenden Mulde in der alten Kita am "Niederwerder" gestanden. Nahezu die gesamte Einrichtung ging verloren - auch die Weihnachtsdekoration.
Die gemeinsame Weihnachtsfeier von Kindern und Eltern muss in diesem Jahr ausfallen. "Wir haben nicht genügend Platz hier", sagt Erzieherin Conny Deml. Die drei Gruppenräume, das Büro und die Toiletten sind auf gerade einmal 120 Quadratmetern untergebracht. Mit ihren drei Kolleginnen hatte Deml in den vergangenen Jahren eine Weihnachtsfeier im Gemeindehaus der Stadt organisiert. Doch auch dieses wurde durch das Hochwasser ruiniert. "Mit den Kindern werden wir aber Weihnachten feiern. Es ist uns wichtig, endlich wieder zur Normalität zurückzukehren."
Besonders Kinder wie Marie, deren Familien direkt von der Flut im August betroffen wurden, seien auch drei Monate nach dem Hochwasser noch traumatisiert, berichtet die Erzieherin. "Wochenlang haben viele Kinder Flutbilder gemalt." Nun sorgten die Basteleien für Nikolaus und Weihnachten für ein wenig Abwechslung.
Maries Mutter, Carmen Friedrich, versteht nicht, warum ihre Tochter im Kindergarten nach den Erlebnissen der Flut nicht von Psychologen betreut wird: "Ein solches Trauma lässt sich in der Gruppe aber am besten verarbeiten." Maries Familie ist auch privat vom Hochwasser betroffen: 60000 Euro Schaden am Haus, das Auto wurde von der Flut mitgerissen. Die Feuchtigkeit, die die voll gesogenen Wände auch jetzt noch abgeben, legt sich an die Fenster.
Wie lange die 50 Kinder aus Döbeln noch in der Container-Kita spielen müssen, bleibt unklar. "Spätestens im Herbst des kommenden Jahres hoffen wir, in ein neues Haus einziehen zu können", sagt Pfarrerin Uta Gerhardt, deren evangelische Gemeinde Trägerin des Kindergartens ist. Derzeit verhandelt die Gemeinde mit der Stadt über ein neues Grundstück und die Baugenehmigung. Ein Neubau kostet die Gemeinde nach eigenen Angaben mehr als 800 000 Euro. Dazu kommen 4000 Euro an Monatsmiete für den Container. 210 000 Euro aus Spenden helfen bei der Finanzierung. Die Renovierung der alten Kindertagesstätte am "Niederwerder" wäre aber kaum billiger, meint Gerhardt. Zudem sei der Altbau sowieso zu klein gewesen.
Nach den Wünschen der evangelischen Gemeinde soll die neue Kindertagesstätte in unmittelbarer Nachbarschaft des alten Kindergartens gebaut werden. So könnte der alte Spielplatz genutzt werden, den die Kinder im Moment so vermissen. Das neue Grundstück liegt wie die alte Kita aber nahe der Mulde. "Sicherlich überlegen wir uns, dass der neue Kindergarten von einem weiteren Hochwasser wieder getroffen werden würde. Aber nach solchen Überlegungen müsste Döbeln seine gesamte Innenstadt versetzen."