Die 20 000-Einwohner-Stadt Döbeln wehrt sich gegen die Rechtsradikalen mit Normalität. Das lokale Bündnis "Döbeln ist bunt" lädt Bürger dazu ein, am verkaufsoffenen Sonnabend in der City bummeln zu gehen. "Nach dem Shopping helfen Sie uns dabei, dass der braune Spuk wieder aus Döbeln verschwindet", heißt es im Aufruf des Bündnisses. Geplant sind Proteste in Hör- und Sichtweite und ein Kulturprogramm.

Mit bis zu 300 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet rechnet die Polizei bei dem Aufmarsch am Sonnabendnachmittag. Hier hatte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) im Februar mit dem Verbot der Rechtsradikalen-Gruppierung NSD ein Zeichen gesetzt. Nun wollen die Jungen Nationaldemokraten (JN) ihrerseits ein Zeichen setzen. Denn bei der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD ist der harte Kern der NSD inzwischen untergekommen.

Ins Visier des sächsischen Verfassungsschutzes waren die NSD geraten durch die Teilnahme an Aufmärschen der sogenannten Volkstodbewegung, die sich selbst "Die Unsterblichen" nennt. Bei einer Razzia im Treffpunkt der NSD wurden Waffen, Plakate und T-Shirts mit verfassungsfeindlichen Parolen gefunden. "Ich halte das Verbot der Organisation für absolut richtig", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann, "aber wir dürfen an dieser Stelle nicht stehenbleiben."

Eine Nachfolgeorganisation der NSD ist dem Innenministerium in Dresden nicht bekannt. Jedoch sei "das Personenpotenzial einschließlich des extremistischen Sympathisantenkreises noch vor Ort verblieben", erklärt das Ulbig-Ministerium. Dennoch habe das Verbot "beigetragen, die rechtsextremistischen Strukturen in dieser Region zu schwächen und zu verunsichern". Die NSD-Struktur bestand aus fünf einschlägig vorbestraften Personen, die im Vorfeld des geplanten Aufmarsches wieder aktiv geworden sind. In den vergangenen Wochen haben sie wieder Flyer verteilt und Infostände vor Schulen aufgebaut. Anfang der Woche veranstalteten die NPD-Nachwuchskader in Döbeln bereits mehrere Kundgebungen auf Marktplätzen und vor Schulen. Wie es aus dem Innenministerium heißt, stehen die NSD-Leute weiter unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Ihre Treffpunkte werden von der Polizei kontrolliert.

Für den Einsatz rund um den Aufmarsch am Sonnabend erhält die Polizeidirektion Chemnitz auch Hilfe durch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern. "Wir werden weiterhin mit repressiven und präventiven Mitteln gegen Rechtsextremismus und für demokratische Werte arbeiten", sagt Innenminister Ulbig. "Dazu gehört auch das wichtige Engagement von Vereinen, Initiativen und Kirchen."