Nach dem, was bislang bekannt wurde, wird die Kommission eine Neuausrichtung der Irak-Politik empfehlen. Baker ist seit langem ein Vertrauter der Familie Bush. Unter Präsident George Bush senior diente er zwischen 1989 und 1992 als Außenminister. Auch Bush junior griff in einer Notlage auf den treuen Gefolgsmann seines Vaters zurück: Als die Präsidentschaftswahl 2000 wegen des Auszählungschaos' im Bundesstaat Florida auf der Kippe stand, berief George W. Bush den früheren Minister an die Spitze seines Anwaltsteams, das die Nachzählung der Stimmen überwachte. Bush wurde mit wenigen hundert Stimmen Vorsprung zum Sieger erklärt. Angesichts des Chaos im Irak könnte Baker dem Präsidenten nun erneut aus der Patsche helfen.

„Mit Gegnern reden“
Ein Gefälligkeitsgutachten wird der Baker-Report allerdings nicht werden. Laut Vorab-Veröffentlichungen von US-Medien schlagen Baker und seine Kommission dem Weißen Haus eine Abkehr von seiner bisherigen Politik vor. So empfiehlt sie die Aufnahme von Verhandlungen mit Washingtons Erzrivalen Syrien und Iran, was Bush bislang strikt ablehnte. Der Polit-Veteran Baker setzt auf traditionelle Diplomatie: „Man muss mit seinen Gegnern reden.“
Außerdem wird die Kommission wohl vorschlagen, die US-Streitmacht im Irak von derzeit 144 000 Soldaten bis Anfang 2008 auf 70 000 Soldaten zu reduzieren. Der Vorschlag steht im Gegensatz zu Bushs Beteuerungen, den Einsatz im Irak „bis zum Sieg“ durchzufechten. Bush hat bereits angekündigt, der Baker-Kommission Gehör zu schenken: „Ich möchte jeden Ratschlag hören, bevor ich irgendwelche Entscheidungen über Anpassungen unserer Strategie im Irak treffe“ , sagte er. An die Empfehlungen der Kommission, die vom Kongress eingesetzt wurde, ist er allerdings nicht gebunden.
Baker hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von Washington über Bagdad bis hin nach Oggersheim als Ein-Mann-Kommando zur politischen Krisenbewältigung profiliert. Unter Präsident Ronald Reagan war er in den 80er-Jahren Finanzminister und musste das gigantische Haushaltdefizit verwalten. 1989 machte ihn Reagans Nachfolger Bush senior zum Außenminister. Kurz darauf brach der „reale Sozialismus“ zusammen; Baker wurde während des stürmischen Epochenwechsels zu einem engagierten Fürsprecher der deutschen Einheit. Zwischen dem Texaner und seinem deutschen Kollegen Hans-Dietrich Genscher entwickelte sich eine politische Freundschaft. Helmut Kohl empfing den Minister bei sich zu Hause im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim.
Als Außenminister hatte Baker großen Einfluss auf den ersten Irak-Krieg der USA: 1991 marschierte die US-Armee am Golf auf, um Saddam Husseins Besatzungstruppen aus Kuwait zu vertreiben. Anders als bei der zweiten Irak-Invasion 2003 stützten sich die USA damals auf eine breite internationale Koalition, die Baker in monatelanger diplomatischer Detailarbeit zusammengeschmiedet hatte. Baker hat nie verhehlt, dass er das einseitige Vorgehen von Bush junior für falsch hielt. Wenige Monate vor dem neuen Krieg warnte er den Präsidenten davor, alte Verbündete zu verprellen. Damals wollte Bush aber nicht auf den Minister seines Vaters hören.