Nach dem libanesischen Einspruch gegen die geplante UN-Resolution kündigte die Arabische Liga in New York an, jetzt Beiruts Forderung nach einem sofortigen israelischen Abzug aus dem Libanon Nachdruck verleihen zu wollen. Zu Beginn der fünften Kriegswoche in Nahost will das israelische Sicherheitskabinett heute über eine Ausweitung des Bodeneinsatzes im Libanon entscheiden.

Lob für Sinioras Vorschlag
Nach einem Gespräch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora begrüßte Steinmeier das Vorhaben Beiruts, die israelischen Streitkräfte im Südlibanon durch 15 000 eigene Soldaten abzulösen, ausdrücklich. Das sei ein Beitrag zur Stärkung der Regierung in Beirut und auch zur Entwicklung eines unabhängigen, demokratischen und starken Libanons.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die angekündigte Stationierung von libanesischen Soldaten im Südlibanon als "interessanten Schritt". Man müsse jedoch noch die genaue Bedeutung des Plans prüfen. Je schneller Israel sich wieder aus dem Südlibanon zurückziehen könne, umso besser, betonte Olmert. Der zuvor von Frankreich und den USA eingebrachte UN-Resolutionsentwurf zum Libanon sieht keinen israelischen Rückzug vor.
Moskau machte klar, dass eine Resolution, die "ungünstig für die libanesische Seite ausfällt", bei der Vetomacht Russland keine Chancen habe. Sie würde "nur zu einer Fortsetzung des Konflikts und der Gewalt führen", sagte der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin. Der britische Premierminister Tony Blair hofft dennoch auf eine Einigung über den französisch-amerikanischen Resolutionsentwurf am heutigen Tag. Israels UN-Botschafter Dan Gillerman äußerte in einem CNN-Interview große Skepsis. "Es wirkt äußerst naiv, wenn Beirut glaubt, sich jetzt gegen den Willen der Hisbollah durchsetzen zu können", sagte Gillerman. Israel werde den Südlibanon "erst verlassen, wenn dort eine robuste und brauchbare internationale Truppe im Einsatz ist".

Zahl der Opfer steigt
Im Zermürbungskampf zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz stieg die Zahl der Opfer weiter. Bei Gefechten im Südlibanon seien drei Soldaten getötet und fünf weitere verletzt worden, zudem seien 25 Hisbollah-Kämpfer getötet worden, teilte die israelische Armee mit. Aus Kreisen der UN-Beobachter hieß es, die israelische Armee sei im Grenzgebiet inzwischen bis zu acht Kilometer ins Landesinnere vorgerückt. Seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli sind 103 Israelis ums Leben gekommen, davon 65 Soldaten. Nach Israels Angaben sind 450 Hisbollah-Milizionäre getötet worden. Auf libanesischer Seite starben nach Schätzungen der Regierung rund 1000 Menschen. (dpa/uf)