Er stank, knatterte und war überall anzutreffen. Der fahrbare Untersatz aus rostfreiem Duroplast ist Symbol des Alltags in der untergegangenen DDR. Zu sehen ist der Trabant auch heute noch - vor allem in Museen. Doch was sagt seine Präsentation über die Gesellschaft aus, in der er zum Straßenbild gehörte?
Auch im neuen DDR-Museum mitten im Herzen Berlins trifft man auf einen Trabi. Für den wissenschaftlichen Leiter des Hauses, Stefan Wolle, ist er Teil einer "Inszenierung". Er will den Besuchern zeigen, wie die Menschen in der DDR gelebt haben und setzt dabei ganz auf "Assoziationen". Schließlich soll die Ausstellung "für die ganze Familie" sein, ein Dialog der Generationen angeregt werden.
Die Besucher scheinen das zu honorieren. Seit Eröffnung des in privater Trägerschaft betriebenen Hauses im vergangenen Juli kamen nach dessen Angaben bereits 120 000 Besucher in die relativ kleine Dauerausstellung. Das Bedürfnis nach Begegnung mit DDR-Alltag scheint also vorhanden zu sein, wie sich seit Jahren auch im DDR-Museum im mecklenburgischen Malchow zeigt.
Öffentliche Museen kommen diesem Bedürfnis hingegen bislang kaum nach. Ausgerechnet in Berlin fällt dies trotz der Vielzahl an musealen Erinnerungsstätten besonders schwer. Zwar können sich Touristen in der Mauergedenkstätte, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen oder im Museum am Checkpoint Charlie einen Eindruck vom ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden als Diktatur verschaffen. Über den Alltag in dem von der SED beherrschten Staat sagen die Gedenkstätten aber wenig aus.
Auch das Deutsche Historische Museum gleich neben dem DDR-Museum verzichtet in seiner Dauerausstellung über die deutsche Geschichte keineswegs auf den Trabi. Doch über die Wechselbeziehungen zwischen Herrschenden und Beherrschten in der DDR wird wenig deutlich.
Sehr viel mehr über das Alltagsleben im SED-Staat erfährt man hingegen im Dokumentationszentrum Alltagskultur im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Dort werden schon seit Anfang der 90er-Jahre DDR-Gegenstände in Depots gesammelt. Für die meisten Schulklassen und Berlin-Touristen ist die einstige sozialistische Musterstadt an der polnischen Grenze aber zu abgelegen.
Zudem verfolgt der Leiter des bundesweit wohl einzigartigen Hauses, Andreas Ludwig, ein ehrgeizigeres Ziel. Natürlich fehlt auch in Eisenhüttenstadt nicht der Trabi, aber Ludwig will nicht einfach nur althergebrachte Klischeevorstellungen bestätigen. Sein Museum will vielmehr die "Vergleichbarkeit mit anderen Gesellschaften" dokumentieren und pflegt damit einen im Ausland viel stärker verbreiteten Ansatz für die Analyse der DDR und der Bundesrepublik.
Als die noch von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) eingesetzte Expertenkommission zur "Aufarbeitung der SED-Diktatur" im vergangenen Jahr empfahl, dem "Alltag" breiteren Raum zu geben, erhob sich zunächst ein Sturm der Entrüstung. Und doch sind sich Historiker heute weitgehend einig: "Staatssicherheit und Kinderkrippe gehören zusammen. Es gibt keinen Alltag ohne Überbau", so der Potsdamer Zeithistoriker und damalige Kommissionsvorsitzende Martin Sabrow.
Einen ersten Schritt, beides zugleich in den Blick zu nehmen, unternimmt nun auch das Deutsche Historische Museum. Dort wird heute die Sonderausstellung "Parteidiktatur und Alltag in der DDR" eröffnet. Damit folgt das Berliner Museum im Grunde genau den Vorgaben der Historikerkommission.