Es sei skandalös, dass Homburg Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Diktatoren gleichsetze, sagte Molkentin. "Er ist als Pressesprecher untragbar." Schönbohm habe seine Reihen nicht im Griff. Auch SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness erklärte, das der Vorgang "Konsequenzen haben müsse". Homburg entwickle sich zum Risiko für die Union. Selbst in Unionskreisen hieß es, die Entgleisungen seien "erschütternd".
Auslöser der Empörung ist ein Leserbrief des Schönbohm-Sprechers in der "Märkischen Allgemeinen", in dem er der Friedensbewegung vorwirft, in Tschetschenien, Afghanistan, Ruanda und Yugoslawien geschwiegen zu haben, aber ein "altes rechts- wie linksextremistisches Feindbild" zu bedienen - das der USA.

Gefährlicher Vergleich
Die umstrittenste Passage lautet wörtlich: "Schröders gefährlicher wie durchsichtiger Versuch, über eine verbal-aggressive Außenpolitik von einer katastrophalen Bilanz im Inneren abzulenken, hat uns von jeglicher Einflussnahme auf unsere Verbündeten entfernt." Und: "Die Erfahrung zeigt: Auf solche Politikmuster greifen in der Regel nur Diktatoren zurück." Wegen eines ähnlichen Vergleiches von Bush und Hitler musste Justizministerin Däubler-Gmelin (SPD) nach der Bundestagswahl ihren Stuhl räumen.
Der Homburg-Brief war Thema am Rande der Sitzung des Kabinetts in Cottbus. Vizeregierungschef und Innenminister Schönbohm (CDU) reagierte verärgert, als er vom Alleingang seines Sprechers erfuhr - und rügte ihn umgehend telefonisch. Zwar gebe es Meinungsfreiheit, doch der Dikta-toren-Vergleich sei "nicht akzeptabel." Schönbohm bat CDU-Generalsekretär Thomas Lunacek, die wachsenden Wogen bei der SPD zu glätten. Regierungschef Matthias Platzeck, dem dem Vernehmen nach wegen des Homburg-Briefes zunächst "die Worte fehlten", habe die schnelle, klare und eindeutige Reaktion Schönbohms akzeptiert, hieß es.

Homburg verteidigt Brief
Zunächst hatten SPD, aber auch Unionspolitiker vermutet, dass Homburgs Brief mit Schönbohm abgestimmt worden sei. Homburg selbst verteidigte am Morgen seinen Brief: Er habe diesen als Privatperson geschrieben, nicht als Sprecher des Innenministeriums, sagte er der RUNDSCHAU. Auch an der umstrittenen Passage mit der Diktatoren-Formulierung konnte er nichts Anstößiges erkennen: "Das habe ich an der Uni gelernt."
Die Empörung in der SPD, aber auch bei gemäßigten Christdemokraten ist auch deshalb so groß, weil es nicht der erste Leserbrief ist, mit dem Homburg für Wirbel sorgt: Im November 2000 hatten SPD und PDS seinen Rücktritt gefordert, nachdem er in einer E-Mail der rechtsgerichteten "Jungen Freiheit" als langjähriger Leser zum neuen Design gratulierte. Später musste sich Homburg entschuldigten, weil er in einer Zeitung mit Sätzen über vietnamesische Asylbewerber zitiert wurde, "die vom Steuerzahler durchgefüttert" würden. PDS-Oppositionsführer Lothar Bisky sagte, Schönbohm müsse sich fragen, wie es um sein Umfeld bestellt sei.