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| 14:14 Uhr

Jugendliche und Medienkonsum
Der Fluch des Internets

Fluch und Segen: Jugendliche Mediennutzer wünschen sich im Umgang mit dem Internet mehr Unterstützung.
Fluch und Segen: Jugendliche Mediennutzer wünschen sich im Umgang mit dem Internet mehr Unterstützung. FOTO: dpa-tmn / Franziska Gabbert
Berlin. Lange Zeit sah es so aus, als würden Jugendliche wie selbstverständlich ins Internetzeitalter hineinwachsen. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Zwar ist der Umgang mit dem Internet nicht wegzudenken. Er bringt aber zahlreiche Probleme mit sich. Von Luca Schmidt

Oma oder Opa haben ein Problem mit dem Internet? Kein Problem, die Enkelkinder kennen die Lösung. Denn die sind schließlich damit aufgewachsen. Das macht sie zu „Digital Natives“, also digitalen Eingeborenen. Sie kennen sich bestens aus und bewegen sich in der digitalen Welt sicherer als auf der Straße. Die Kenntnisse dafür haben sie sich nebenbei angeeignet. Aber diese These ist so nicht länger haltbar.Nur etwa die Hälfte der Jugendlichen im Alter von 14 bis 24 Jahren kennt den Begriff „Digital Natives“. Und in die Wiege gelegt bekommen sie das Know-How für die digitale Welt auch nicht. Stattdessen bringen sich die jungen Erwachsenen viel selbst bei oder sie fragen bei Freunden nach. Das Wissen zur digitalen Welt ist also kein Selbstläufer, sondern erfordert vielmehr Anstrengungen. Die meisten wünschen sich dabei Unterstützung. Das ist eine Erkenntnis der Studie „Euphorie war gestern“ des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Für die Studie wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 24 Jahren zu ihrem Umgang mit der digitalen Welt befragt. Es war die zweite Untersuchung zu diesem Thema, die erste wurde 2014 durchgeführt. Den Unterschied fassen die Autoren folgendermaßen zusammen: Der Hype ist vorbei – die Skepsis steigt.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die digitale Welt ist für die Befragten sowohl Segen als auch Fluch. Segen deshalb, weil knapp 70 Prozent von ihnen eine positive Einstellung zum Internet haben. „Das Internet macht mich glücklich, weil es mir Denkanregungen gibt, mir richtige Antworten liefert und es universell ist“, ist die Antwort eines Befragten. Offliner, also Menschen, die ohne Internet leben, gibt es bei den 14- bis 24-Jährigen gar nicht mehr, und ein Großteil der Befragten kann sich ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen.

Doch genau hier greift der Fluch. So sagen zwei von drei Befragten, dass sie im Internet oft ihre Zeit verschwenden würden, jeder Fünfte ist genervt von der digitalen Welt. Ein Grund, warum sie trotzdem online sind: Sie möchten dazugehören und ihre Freundschaften aufrechterhalten. Dass dies zu einem inneren Zwang werden kann und sie ein vernünftiges Maß im Umgang mit dem Internet verlieren, das wissen auch die Befragten: Fast jeder Dritte hat Angst davor, internetsüchtig zu sein. Aber auch innerhalb der digitalen Welt fühlen sich viele Jugendliche nicht wirklich wohl. Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass es online eine regelrechte Beleidigungskultur gebe. Wer sich zu einem Thema äußert, muss damit rechnen, beschimpft zu werden. Deshalb posten viele nichts mehr und ziehen sich aus den Debatten zurück. Weitere Sorgen der Befragten, wenn sie online sind: Die Veröffentlichung peinlicher oder intimer Posts und die Angst vor der Täuschung durch gefälschte Nutzerprofile. Doch obwohl die jungen Erwachsenen die Risiken kennen, ist einem immer größeren Teil egal, was mit den eigenen Daten passiert. Auch das Verwenden von Sicherheitsmaßnahmen geht zurück. Zu komplex sind die Verfahren.

Von der Schule fühlen sich mehr als zwei Drittel nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Und so gibt es den Wunsch nach Unterstützung. Eine Idee: Das Schulfach Medien einführen. Einer rein digitalen Zukunft sehen viele Befragte skeptisch entgegen: 41 Prozent haben sogar Angst davor, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann – eine Verdopplung im Vergleich zu 2014.

Also jede Menge Arbeit für Bundesfamilienministerin Giffey, die bei der Vorstellung der Studie zugegen war und deren Ministerium auch für die Jugend zuständig ist. „Wir müssen Schulen so aufstellen, dass sie zum digitalen Zeitalter passen“, so Giffey.