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RUNDSCHAU Gaming-Tests
Alien-Horror für Tüftler und Forscher. "Prey" im Gaming-Test

FOTO: Bethesda
Action/Horror. Die Welt in ferner Zukunft. Ein futuristisches Szenario lange nach dem mißglückten Attentat auf J. F. Kennedy. Ohne die Auswirkungen des kalten Krieges haben Amerikaner und Russen gemeinsam die Weltraumforschung vorangetrieben. Michael Siering

Ergebnis ist die Raumstation Talos I. Hier erwachen wir als Spieler Morgan Yu in einer sonnigen und freundlichen Umgebung direkt in unserer kleinen Schlafkabine. Nach ein paar aufmunternden Worten begeben wir uns zum bereit stehenden Helikopter, in froher Erwartung unseres ersten Arbeitstages, nur um kurz darauf den blanken Horror zu erleben. "Prey" wirft uns dabei völlig unvorbereitet in eine unglaubliche Geschichte um gescheiterte Experimente und jeder Menge fieser Alien. Wie gut das Spiel ist, hat die LR-Gamingredaktion in vielen Stunden für Euch getestet.

Mann oder Frau? Eine erste Entscheidung ist zu treffen. Nach dem bereits oben beschriebenen kurzen Intro zerplatzt unsere Heile-Welt-Blase. Wir befinden uns nämlich nicht in einer quietschbunten Gute-Laune-Welt, sondern auf der Raumstation Talos I, die von einer mysteriösen Alienmutation überrannt wurde. Langsam bewegen wir uns durch dunkle Gänge, es scheint keine anderen Überlebenden zu geben. Überall technische Defekte, zerstörtes Inventar und erste, entstellte Leichen. Morgan sammelt diverse Gegenstände und verfrachtet diese im Inventar. Wofür? Keine Ahnung. Bethesda-typisch erlernen wir die Grundmechaniken des Spiels erst im Laufe der Zeit. Ein seltsamer Anrufer lotst uns durch die ersten Quests, ehe wir durch an Terminals aktivierte Videosequenzen mehr zum Schicksal der Station erfahren. Und so ist es nun mal wieder an uns, die Alienbedrohung zu bekämpfen, natürlich ganz selbstlos, indem wir letztendlich die gesamte Station inkl. uns in Persona zerstören sollen.

Klingt nach einem beliebigen Shooterszenario, ist es aber nicht. Bei der Bewältigung der einzelnen Haupt-bzw. der vielen optionalen Nebenquests ist uns der Weg nämlich nicht linear vorgegeben. Mit etwas physikalischen Sachverstand und durch im Spiel erweiterbare Fähigkeiten (sogenannte implementierte Neuromods) lernen wir Gegenstände (Waffen, Medizin, Upgrades etc.) herzustellen, können später schwere Gegenstände heben oder Computerterminals hacken. Auch der direkte Weg zum eigentlichen Ziel ist nicht immer der Beste. Anfangs recht starke Aliens blockieren häufig den Weg, können aufgrund unserer minderen Waffenpower nicht gleich bekämpft werden. Der Spieler sucht Alternativrouten oder schleicht an den fiesen Aliens einfach vorbei. Auch sonst sollten die weitläufigen Gefilde der Station genauestens untersucht werden. Überall finden sich Gegenstände, Waffen, Baupläne oder einfach nur Notizen mit Codenummern, die an Terminals oder an Türen weitere Wege oder Quests öffnen. Immer wieder kehren wir an bereits besuchte Schauplätze zurück, um mit neu erworbenen Fähigkeiten oder Codes weitere Zugänge zu öffnen.

Bethesda-Neulinge könnten hierbei schnell überfordert sein, denn die Karte (welche auch erst an Terminals aktualisiert werden muss) ist nicht wirklich sehr aussagekräftig. Bei keinem anderen Spiel hat sich die Redaktion in letzter Zeit dabei erwischt, händisch Notizen über gesperrte Zugänge zu machen. Und die Talos I ist riesig, über mehrere Ebenen erstreckt sich die erkundbare Spielwelt und auch Spaziergänge im Weltraum sind nötig, vorausgesetzt ihr habt vorher die passende Ausrüstung erquestet oder gefunden. Je tiefer wir in die Spielwelt eintauchen, desto vielfältiger werden unsere Möglichkeiten, umso mehr erfahren wir über das Schicksal der Station. Der Spieler wird durch gesteigerte Fähigkeiten besser, die Waffenpower erhöht sich durch entsprechende Upgrades und anfangs unbesiegbare Gegner sind später ein Klacks. Bethesda liefert ein astreines Science Fiction Szenario um Aliens und Verschwörungen, auf das wir uns gern eingelassen haben. Tüftler, Sammler, aber auch Shooterfreunde werden ihren Spaß haben. Grafisch spielt das Game in der oberen Liga mit, die Sprachausgabe ist hervorragend, die Dialoge gut ins Deutsche synchronisiert. Der beängstigende Sound lässt sich am besten im dunklen Zockerzimmer mit Kopfhörern genießen. Eine jederzeit verfügbare Schnellspeicherfunktion unterbindet den Frustfaktor, nur mit der Weitläufigkeit von Talos I und den teils fummeligen Hacker-Minispielchen dürfte so Mancher sein Problem haben. Dafür auch der Stern Abzug, denn hier beweisen andere Spiele einfach mehr Fingerspitzengefühl. "Prey" ist ein klassisches Singleplayerspiel, Freunde gepflegter Multiplayerballereien haben das Nachsehen, sind mit anderen Titeln aber auch besser bedient.

Unsere Wertung:

4/5 Sternen

Das Spiel ist ab ca. 55,00€ erhältlich. USK: ab 16 Jahren
https://prey.bethesda.net/de/