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Digitales Fernsehen DVB-T im Lausitzer Funkloch

Funkturm Calau
Funkturm Calau FOTO: Roland Hottas
Lausitz. Es könnte so einfach sein: Mit einer Zimmerantenne ließe sich der dritte Empfangsweg nutzen und digitales Funkfernsehen (DVB-T) empfangen. In der Lausitz ist DVB-T jedoch – wenn man nicht in Calau wohnt – nur Wunschtraum. Christian Köhler

In Großstädten ist es kein Problem: digitales Funkfernsehen (DVB-T) mit einer Zimmerantenne. 2008 wurde der damals analoge Fernsehempfang in Brandenburg und Sachsen auf digital umgestellt. Außer der Umstellung hat sich jedoch in den vergangenen Jahren nichts verbessert.

"Die Empfangssituation ist in der Lausitz stark vom Wohnort und der geografischen Lage des Ortes abhängig", erklärt ein Sprecher des Netzwerkbetreibers Media Broadcast, der für den Rundfunk Berlin-Brandenburg das Funkfernsehen betreibt. Einen großen Sendemast gibt es in Calau. Bewohner, die direkt in der Nähe des Sendemasts wohnen, können ohne Probleme via USB oder Zimmerantenne die zwölf digitalen Sender empfangen. Alle anderen müssen, um den dritten Empfangsweg für Fernsehen und Radio nutzen zu können, eine Dach- beziehungsweise Außenantenne installieren. "Wir sind daran interessiert, dass alle Verbreitungswege für das Fernsehen - also Kabel, Satellit und Funk - auch in Brandenburg verfügbar sind", stellt Uwe Haaß von der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg klar, "gerade in Anbetracht der Tatsache, dass das Breitband-Internet immer noch nicht im Süden Brandenburgs überall verfügbar ist." Ohnehin würden sich in Brandenburg und Sachsen lediglich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten am DVB-T Fernsehen beteiligen. "Die privaten Sender konzentrieren sich auf Ballungszentren wie Berlin oder das Ruhrgebiet", erläutert Haaß.

Dies bestätigt Susanne Lange von der ProSiebenSat.1 Media. "Die Abdeckung des dritten Verbreitungsweges via Funk ist für uns in Großstädten interessanter. Auf dem Land greifen die Leute eher auf den kabel- und satellitengestützten Empfangsweg zurück." Anfang 2013 hatte die RTL-Gruppe angekündigt, sich gänzlich aus dem DVB-T Geschäft zurückzuziehen. Gegenwärtig jedoch werde geprüft, ob denn nicht eine Aufrechterhaltung des terrestrischen Empfangs von RTL und seiner Sender sinnvoll ist. Dies liege vor allem daran, dass sich die Große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt hat, weiterhin auf DVB-T zu setzen. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Bei der Frequenzplanung werden wir auf nationaler und europäischer Ebene im Einvernehmen mit den Ländern die Belange des hiervon betroffenen Rundfunks (DVB-T) und die Interessen der Nutzer drahtloser Produktionsmittel berücksichtigen." Bettina Klausner, Sprecherin der RTL-Gruppe, erklärt: "Wir werden rechtzeitig kommunizieren, ob und wie es mit der Verbreitung der Sender der Mediengruppe RTL Deutschland via DVB-T nach dem 31. Dezember 2014 weitergeht."


Derzeit gibt der RBB für die Verbreitung des terrestrischen Fernsehsignals DVB-T laut Heiko Nehse von der RBB-Produktions- und Betriebsdirektion drei Millionen Euro in Berlin und Brandenburg aus. "Der RBB bevorzugt jedoch keinen der Ausstrahlungswege über Kabel, Satellit und Terrestrik. Als digitale Übertragungsverfahren setzen wir die Varianten DVB-C, DVB-S beziehungsweise DVB-S2 für HD-Signale sowie DVB-T ein", sagt Nehse. Über diese Wege und mit diesen Technologien erreiche der Sender derzeit die große Mehrheit aller Zuschauer.

Ab 2017 plant die ARD zusammen mit den dritten Programmen eine Umstellung von DVB-T auf DVB-T2. Auch dafür hatte sich die Große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag starkgemacht. Sie wolle die für den Umstieg auf DVB-T2 notwendigen Voraussetzungen erhalten, heißt es im Vertrag. Vonseiten der ARD heißt es: "Die ARD plant, beginnend ab dem Jahr 2017, auf DVB-T2 umzusteigen. Der Umstieg soll bis 2020 abgeschlossen sein. Darin sieht die ARD den richtigen Entwicklungsschritt, um die Fernsehtechnik auch in Zukunft zu sichern."

Die Weiterentwicklung des terrestrischen Funkfernsehens sei vor allem deswegen sinnvoll, weil mit der derzeitigen Technologie noch nicht in HD (high-definition) gesendet werden könne. "Mit DVB-T2 erreichen wir eine deutlich bessere Bild- und Tonqualität", beschreibt Nehse den Fortschritt. Darüber hinaus sei der Umstieg auf DVB-T2 auch für die Nutzer mobiler Endgeräte wie etwa Smartphones besser nutzbar. Bisher war für die Fernsehnutzung via Funk ein DVB-T-Stick am Handy nötig, der aber in der Lausitz nur bedingt nutzbar ist. Bis zur Umstellung auf DVB-T2 plant der RBB keinen Ausbau des heutigen DVB-T-Netzes in der Lausitz. Dies bestätigt Nehse gegenüber der RUNDSCHAU. "Man wird im Zuge der Umstellung auf eine Stabilisierung der Verbreitung setzen", berichtet Nehse.

Zum Thema:
DVB-T steht für die digitale, terrestrische Verbreitung von Rundfunkinhalten. Für Berlin und Brandenburg ist dafür der RBB zuständig, für Sachsen der MDR. Neben DVB-T - das T steht für terrestrial, also erdgebunden - gibt es noch DVB-S, was eine satellitengestützte Übertragungstechnik meint, DVB-C steht für eine kabelgebundene Übertragung und DVB-IPI bezeichnet eine Übertragungstechnik über das Internet.