In den öffentlichen und Universitätsbibliotheken Sachsens sind die elektronischen Bücher und Zeitschriften bei vielen Lesern gefragt. Die Nachfrage nach E-Books, Audios und Videos sowie Zeitschriften in der Stadtbibliothek Dresden etwa stieg um sagenhafte 53,6 Prozent, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. In der Leipziger Stadtbibliothek ging es im vergangenen Jahr um rund ein Drittel aufwärts. Auch die Stadtbibliothek Chemnitz meldete einen Anstieg um rund 33 Prozent.

Damit liegt Sachsen fast auf einer Linie mit dem Bundestrend: Nach Angaben des Deutschen Bibliotheksverbandes wurden im vergangenen Jahr bundesweit 11,3 Millionen digitale Ausleihen von E-Angeboten gezählt. Im Jahr zuvor waren es demnach erst rund sieben Millionen gewesen.

Wie Stefan Ettrich von den Städtischen Bibliotheken Dresden berichtet, wurden im vergangenen Jahr nahezu 143 000 Ausleihen bei den E-Medien gezählt. 2013 waren es noch rund 93 000. "Die Nachfrage ist weiter steigend", sagt Ettrich. Und das, obwohl nur ein kleiner Teil der registrierten Benutzer die digitalen Angebote auch in Anspruch nimmt: Bei gut 73 000 aktiven Bibliothekbenutzern greifen nur etwa 6800 auf das E-Book-Portal der Bibliothek zu.

Auch in Leipzig gibt es weit mehr Ausweisinhaber der Stadtbibliothek als Nutzer der E-Book-Ausleihe. Bei 45 000 Ausweisinhabern sind es nur knapp 4600, die E-Books ausleihen. Zwar werde die Altersstruktur nicht gesondert erfasst, berichtet Heike Scholl, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, aber an Schulungen nähmen meist Nutzer ab 50 Jahren teil. Jüngere Leser gingen schon viel selbstverständlicher mit dem digitalen Angebot um, denn auch Kinder- und Jugendliteratur wird in der Buchmessestadt stark nachgefragt, sagt Scholl.

Wer in der Stadtbibliothek Chemnitz Bücher elektronisch liest, ist schwer zu sagen. "Diese Zahl wird nicht erhoben, da mit der Anmeldung in der Bibliothek alle Dienste nutzbar sind", erläutert Tina Goldammer. Aber auch hier werde beobachtet, dass sich vor allem ältere Leser an Angebote wie die E-Book-Sprechstunde oder den Support der Chem-Netz-Bib wenden. Diese werden in der Regel von Kunden zwischen 50 und 85 Jahren in Anspruch genommen, wie Goldammer berichtet.

Wie auch in den anderen Bibliotheken werden in Chemnitz keine Extragebühren für die Nutzung der digitalen Angebote erhoben. Haben die städtischen Bibliotheken in der Regel zwischen 6000 und 9000 E-Books im Bestand, so sind es bei der Universitätsbibliothek Chemnitz etwa stolze 70 700. Die Anschaffung digitaler Literatur lässt sich die Chemnitzer Uni denn auch Einiges kosten: "Für die Erwerbung digitaler Medien haben wir 2013 rund 1,157 Millionen Euro ausgegeben", berichtet Monika Ullmann, Leiterin der Medienbearbeitung der TU Chemnitz. "Ein Großteil dieser Kosten ergab sich aus der Umstellung der Zeitschriftenabonnements von der Printausgabe auf zur elektronischen Ausgabe", erläutert sie.

Auch in Dresden greifen die Studierenden zunehmend auf E-Medien zu: Wurden 2013 erst 3,8 Millionen Volltexte elek tronisch heruntergeladen, waren es 2014 schon mehr als fünf Millionen Texte, wie Ramona Ahlers-Bergner mitteilt. Während die Beliebtheit der E-Books die Bibliotheken einerseits freut, schafft sie andererseits auch zusätzliche Arbeit. "In der Handhabung stellt sich der Ankauf und die Bereitstellung von E-Books für Bibliotheken im Vergleich zum gebundenen Buch sehr viel aufwendiger dar", berichtet Heike Scholl. Lizenz-, Rechts- und Preisfragen seien dafür verantwortlich. Dies führe auch dazu, dass nicht alle nachgefragten Titel angeboten werden können: "Leider erlauben nicht alle Verlage Bibliotheken die Ausleihe von E-Books."