Als Woidke im vergangenen Jahr den Parteivorsitz übernahm, hatten ihn noch 95,8 Prozent der Delegierten gewählt. Noch schlechtere Resultate gab es am Samstag für Woidkes Stellvertreter: Der Landtagsabgeordnete Daniel Kurth wurde mit 67,7 Prozent der Stimmen gewählt, Infrastrukturstaatssekretärin Katrin Lange mit 64 Prozent, Generalsekretärin Klara Geywitz erhielt statt der 85 Prozent aus dem Herbst 2013 nur 66,7 Prozent.

Gegenüber der RUNDSCHAU bemühte sich Woidke, seine Enttäuschung zu verbergen. Sein Ergebnis bezeichnete er sogar als "ermutigend". Dass er trotz einer gewonnenen Landtagswahl zahlreiche Gegenstimmen erhielt, führte Woidke auf eine Reihe von Reformen, etwa die geplante Kreisgebietsreform, zurück. "Wenn man klare Kante fährt, dann heißt das, dass es Veränderungen gibt, von denen auch SPD-Delegierte betroffen sind." Zuvor hatte Woidke in einer Grundsatzrede eine innere Erneuerung der Brandenburger SPD angemahnt. "Wir laufen Gefahr, bei den Wahlen eine Partei der älteren Semester zu werden", so Woidke. Bei den Landtagswahlen hätten die über 60-Jährigen die SPD zu 41 Prozent gewählt. Bei den Jungwählern habe die Partei dagegen Verluste verbuchen müssen. Und klassische SPD-Wähler, die "so genannten kleinen Leute", seien oft gar nicht mehr zur Wahl gegangen.

Doch Woidkes Appelle schienen zu verhallen: Der Kandidat der Nachwuchsorganisation Jusos, Erik Stohn, wurde nicht in den Parteivorstand gewählt. Und der Juso-Delegierte Michael Müller übte scharfe Kritik an der SPD-internen Diskussionskultur: "Engagement in einer Partei ist nicht besonders attraktiv, wenn das Ergebnis vorher vorgegeben wird."

Ebenfalls nicht in den Landesvorstand gewählt wurde die frühere Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Die bisherige stellvertretende Parteivorsitzende erhielt nur 43 von 112 abgegebenen Stimmen. Dagegen gehören LDS-Landrat Stephan Loge und die ehemalige Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt aus Elbe-Elster zu den zehn Beisitzern des Landesvorstands.

Politisch übte Woidke scharfe Kritik an den rechtspopulistischen, anti-islamischen "Pegida"-Demonstrationen. "Wir werden in Brandenburg auf keinen Fall dulden, dass angebliche Retter des christlichen Abendlands die aktuelle Flüchtlingssituation zum Vorwand nehmen, um rassistische Propaganda zu verbreiten und gegen Ausländer zu hetzen", so Woidke. "Wir dulden keine Hassprediger." Brandenburg habe 2014 rund 6000 Flüchtlinge aufgenommen. Gemessen an den knapp 2,5 Millionen Einwohnern sei das "ganz sicher kein massenhafter Zustrom." Für den Januar kündigte Woidke einen "Flüchtlingsgipfel" mit Vertretern der Kommunen an, um praktische Lösungen zur Unterbringung von Asylbewerbern zu finden.

Lebhaft diskutiert wurde auch die Forderung, Windkraftanlagen nur im Abstand von 1000 Metern etwa zu Wohngebieten aufzustellen. Doch der Antrag des Ortsverbands Niemegk wurde am Ende an den Parteivorstand verwiesen. "Ich habe die feste Überzeugung, dass das Aufstellen von Windenergieanlagen tatsächlich eine geringere Belastung ist als das Abbaggern von weiteren Dörfern", hatte zuvor der Uckermärker Kreisvorsitzende Frank Bretsch betont. Woidke betonte, dass es mit den erneuerbaren Energien weitergehen soll: "Wir brauchen den Netzausbau und Speichertechnologien, damit sie von unzuverlässigen Formen der Stromerzeugung zu zuverlässigen werden."

Zum Thema:
Brandenburgs Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Sabine Kunst, die seit vielen Jahren als parteilose Ministerin im Kabinett arbeitet, ist jetzt in die SPD eingetreten.