Aber bei dieser Etappe im Rennen um die Präsidentschaft, das in den letzten Tagen zunehmend unberechenbarer geworden war, ging es tatsächlich nicht um Libyen oder den Iran oder um China oder Russland. Um Europa oder Deutschland ging es schon gar nicht, Mitt Romney erwähnte nur zweimal Griechenland als Schreckgespenst, aber eben nur Griechenland. Tatsächlich ging es ausschließlich darum, wer von den beiden eher wie ein Führer einer Weltmacht aussieht, die immer noch daran glaubt, dass sie global das Geschehen bestimmt. Das Resultat war eindeutig. Barack Obama war diesmal nicht nur hellwach, er war ein wirklicher Präsident. Die seltsame Vorstellung, die er in der ersten Debatte geboten hatte, ist damit zumindest teilweise vom Tisch. Und die ersten Umfragen signalisierten denn auch Punktgewinne für Obama.

Die Debatte habe ich mir zusammen mit Studenten der George Washington University angesehen. In dem voll besetzten großen Hörsaal waren die Obama-Anhänger eine überwältigende Mehrheit. Immer, wenn der Präsident punktete, ging ein zustimmendes Lachen durch die Reihen. Romney sah in mitten eines solchen Publikum noch schlechter aus, als er irgendwo sonst ausgesehen hätte. Die Studenten, von denen so mancher wohl zum ersten Mal wählen wird, entdeckten mit Obama den Helden der Jugend wieder. An ihren Bemerkungen danach war zu erkennen, dass Ihnen vor allem genau das wichtig schien. "Er hat es ihm gegeben", sagte einer stellvertretend für viele. Aber Siegeszuversicht strahlten sie wiederum auch nicht aus. Sie fühlen wohl, dass damit noch lange nichts entschieden ist. Zwei Wochen vor der Wahl kann trotz der überzeugenden Vorstellung Obamas keiner mehr mit Sicherheit vorhersagen, wer nun den Urnengang gewinnen wird. Der Paukenschlag der ersten Debatte, in der es Romney gelang, seine Kernbotschaft vom anscheinend notwendigen Kommandowechsel den Wählern nahezubringen, hallt offenbar weiter nach. Und nicht ganz ungeschickt griff der Herausforderer diesmal wieder zu dieser zentralen Aussage. "Ich kann es besser" hieß es auch diesmal - besser mit all den bösen Mächten draußen in der weiten Welt umgehen. Obama schüttelte da zuweilen nur noch ungläubig den Kopf.

Und wenn er dann dran war, versuchte er aggressiv und gnadenlos dieses Leitmotiv seines Gegners zu zerstören. Aber ob ein solcher Endspurt noch etwas nützt, bleibt überaus fraglich. Jetzt sieht es jedenfalls so aus, als ob ein, zwei der US-Staaten die Wahl entscheiden könnten. Und wie schon im Jahr 2000 könnte es erneut zum größten anzunehmenden Wahlunfall kommen. Dann würde diesmal Romney mehr Stimmen bekommen, Obama aber trotzdem die Mehrheit der Wahlmänner hinter sich bringen. So wie damals George W. Bush, der gewann, obwohl mehr Amerikaner Al Gore regieren sehen wollten.