Die Fenster des Kosmetikladens in Ferguson sind mit Sperrholz vernagelt. Daran hängt ein Schild - die Kunden sollen wissen, dass geöffnet ist, obwohl der Laden im August verwüstet und geplündert wurde. Damals eskalierten in der Stadt im US-Staat Missouri die Proteste nach dem Tod von Michael Brown. Der unbewaffnete schwarze Teenager war am 9. August von einem Polizisten erschossen worden.

Die Entscheidung der Geschworenen der sogenannten Grand Jury, ob der Polizist Darren Wilson angeklagt wird, könnte in den nächsten Tagen fallen. Über den genauen Tathergang herrscht bis heute Unklarheit. Anwohner fordern seit Wochen, Wilson - einem Weißen - den Prozess zu machen.

Hier um die West Florissant Avenue fürchten viele Bewohner, dass es nach der Jury-Entscheidung wieder Proteste geben wird. Im August hatten die Demonstrationen hier ihren Ausgang genommen. Die meisten Läden haben ihre Fenster mit Sperrholz gesichert, einige haben die Platten gar nicht erst abgenommen.

Alma Morrow arbeitet bei Feel Beauty, dem Laden für Kosmetik und Accessoires. Wenn die Entscheidung der zwölf Geschworenen verkündet wird, will sie sicherheitshalber zu Hause bleiben. Morrow erzählt von Gruppen junger Männer, die sich oft bei Anbruch der Dunkelheit in der Gegend versammeln. Sie warteten nur auf eine Gelegenheit, wieder Gewalt anzuzetteln, meint sie und lehnt sich auf den Tresen. Um sie herum türmen sich Haarteile und Modeschmuck.

"Ich glaube, es wird schlimmer werden. Diesmal könnte es mehrere Tote geben", sagt sie. "Ich sage das wegen der Denkweise und dem Verhalten von einigen schwarzen Jungs hier." Die Jugendlichen sagten, sie seien bereit für mehr Krawall. Nach Morrows Ansicht sind die Proteste aus dem Ruder gelaufen. Eine Minderheit nutze dies, um zu plündern und zu zerstören. "Es begann mit Mike Brown, aber da draußen sind jede Menge Opportunisten. Alle hier haben Angst."

Die Unruhen hätten viele versteckte Probleme der afroamerikanischen Gemeinde ans Tageslicht gebracht, fügt Morrow hinzu. Diese seien teilweise in Rassismus begründet, aber auch in Armut oder gescheiterten Familien. Eine Kundin im Laden stimmt ihr zu: Viele junge Menschen wüchsen in Armut auf und hätten kaum seelische Unterstützung in Krisen. "Wir müssen als Menschen zusammenkommen. Wir sollten doch Nachbarn sein", sagt die Frau.

Charlie Dooley, der Verwaltungschef des Bezirks St. Louis, kritisiert, dass Gerüchte in sozialen Medien die Stimmung aufheizen. "Holen Sie mal tief Luft, treten Sie einen Schritt zurück und beruhigen Sie sich", forderte er am Mittwoch die Bevölkerung auf. Friedliche Proteste seien natürlich möglich, die Behörden würden aber gegen gewaltbereite Demonstranten vorgehen.

In der Nähe des Kosmetikladens hat Charles Davis kürzlich ein Hamburger-Lokal eröffnet. Bei ihm gibt es keine verbarrikadierten Fenster. Er ist fest entschlossen, sein Restaurant offen zu halten. "Bei mir wird es wieder einen sicheren Hafen geben. Die Menschen können zu mir reinkommen, wenn es Ärger gibt", sagt Davis. Angst habe er keine. "Fürchte ich mich? Nein. Mache ich mir Sorgen? Nein. Ich habe nur vor einem Angst, und das ist Gott."

Mit dieser Ansicht ist Davis in der Minderheit. Die Waffenverkäufe sind um Ferguson, einem Vorort der Stadt St. Louis, in die Höhe geschnellt. "Die Umsätze gingen durch die Decke", sagt Steven King. Ihm gehört der Waffenladen Metro Shooting Supplies. Am vergangenen Wochenende verkaufte er dreimal so viele Waffen wie sonst, erzählt er. Etwa 60 Prozent der Kunden kauften zum ersten Mal eine Waffe. Und sie kamen von überall in der Region.

Die Demonstranten hätten mit ihren Aussagen in sozialen Medien deutlich gemacht, dass keine Gegend sicher sei, meint King. "Also gibt es jetzt etwa 3,3 Millionen Menschen in der Region, die sich fragen: "Wo wird es passieren?"... Diese Angst vor dem Unbekannten ist es, die unsere Verkäufe antreibt."